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Königshofen 6


Königshofen zwischen 1525 und 1945, der Königshöfer Messe und dem Verkehr der Bundesstraße durch den Ort. Dennoch hat Königshofen noch vieles, nicht nur die einmalige Vegetation und Raumsituationen entlang der Tauber. Auch der Ort bietet viel. Kleiner Streifzug, auch wenn nicht immer mit direktem Bezug zum Bauernkrieg. 


Idyllischer Blick auf Königshofen, auf die Kirche, die Ummauerung, die Gärten am Mühlbach. Königshofen ist nicht nur der Bauernkriegsschlachtort. Es ist der Ort, mit dem schönsten Zugang zum Tauberufer, sowie den beiden Mühlbächen, und der Umpfer. Die Bauern und Bürger lagerten vor der Schlacht in dieser Tauberuferidylle. Nach der Schlacht das Bündische Fußvolk. Heute Bereich von Freizeit- und Urlaubsaktivitäten, Feierabendgenießens, Gartennutzung, früher schöne wilde Bademöglichkeit. Nicht umsonst wirft der Naturschutz sein wachsames Auge auf das Gesamtgefüge von Gewässern, Vegetation und Fauna. Es gibt Vorschläge, die Umfahrung von Königshofen in diesen Bereich, in seine Nähe zu bringen.




Untere Mauerstraße, mit relikthaft, aber wunderbar vorhanden Fleckenmauernresten. Zur Zeit des Bauernkrieges war Königshofen noch nicht ummauert. Geschützt vorher mit einem um den Ort gehen Wall-Graben-System. Es gab drei Öffnungen. Eine Richtung Unterbalbach, eine Richtung St. Jost / Marbach / Lauda und eine unten zur Tauber / Mühlbach.





Unteres Tor in Resten. Wunderschöner Aufenthaltsbereich am Tauber- und Mühlbach- sowie Umpferbereich. Zurzeit des Bauernkrieges gab es die Ummauerung noch nicht. Die Bauern lagerten und sammelten in den wunderschönen Tauberwiesen und bauten dort ihre Zelte auf. Die Tauber bot Erfrischung, lud zum Baden ein. Die Lagerstellen der Bauern wurden nach der Schlacht vom Fußvolk der Bündischen übernommen, eingenommen. Denen gefiel es dort so gut, dass sie prompt einen Tag streikten und den Weitermarsch Richtung Würzburg verweigerten. So paaren sich hier in den Tauberwiesen naturbedingte Schönheit und geschichtliche Grausamkeit.


Die historischen Zusammenhänge zu Kurmainz in Ruinenresten. Die Fleckenmauer wurde allerdings erst nach dem Bauernkrieg errichtet. Kurmainz pfuschte Königshofen kräftig mit Anordungen und Kontrolle in die Fleckenselbständigkeit.




Ein Blick auf die Königshöfer Kirche, auf ihren Turm, ist immer auch ein Blick auf den 2. Juni 1525, als die Kirche im Nachgang zur Schlacht auf dem Turmberg zum Gefängnisraum für Bauern und Bürger wurde.


Für Königshofen fast symbolisch der Kreuzträger bei Kirche und Goten. In diesem Ort wird zeitweise großes Leid getragen. 1525. 1945. 1975? Die Zwangsheirat mit Lauda. Königshofen nachgeordnet im Lauda-Königshofen.



Viele der Fachwerkhäuser fielen der Zerstörung im Frühjahr 1945 zum Opfer. 1525 und 1945 sind für die Königshöfer zwei wesentliche Verlustereignisse. Nach der Schlacht vom 2. Juni 1525 überlebten von den wehrfähigen Männern, also auch die Familienvorstände, nur 15. In den Vermögensbüchern zeigen sich nach 1525 viele bisher unbekannten Nachnamen. Die Königshöfer Frauen haben sich infolge mit auswärtigen Männern vermählt. Die Bearbeitung der Grundstücke, der Weingärten, die Erhaltung der Familien, konnte nur so geleistet werden.



Hinterhofsituation in der Nähe des Bahnhofes.




Inschriftenrest der alten Königshöfer Brücke. Nun in die Fleckenmauerreste eingefügt. Von einem aufmerksamen Königshöfer vor dem Versinken in den schlammigen Untergrund gerettet.




Alte Ziegelei. Hier stand in der Nähe das Zentgefängnis der Zent Königshofen. Hier führte früher die Geleitstraße über eine Tauberbrücke in Richtung Umpfertal, also Boxberg, Mosbach, Heidelberg. Die Tauberbrücke wurde allerdings erst nach dem Bauernkrieg über die Tauber geschlagen. Während des Bauernkrieges hieß es noch, per Furt über die Tauber bzw. durch diese zu kommen. An dieser unteren Furt wurde eine Reitereivorhut unter von Habern durch gezielten Kanonenbeschuß beim Überqueren gehindert. Die Geleitstraße zog über die Galgensteige (Turmbergsteige), am Zollstock, rechts von Sailtheim vorbei, am Schlachtholz vorbei, über Marstadt - Bowiesen. Traf dort auf die alte Geleitstrecke Nürnberg - Frankfurt, bzw. auf die Geleitstraße über Bütthard nach Würzburg. Bei Königshofen traf die Geleitstraße zudem auf die Geleitstraße durch das Taubertal von Mergentheim bis (Tauber)Bischofsheim. Hier bündelten sich die Geleitstraßenvariante Nürnberg - Frankfurt, Augsburg - Frankfurt, Nördlingen / Dinkelsbühl - Frankfurt. Königshofen war also lange Zeit ein Verkehrsknotenpunkt der Alten Straßen, von überregionaler Bedeutung und wurde deshalb auch zum Sammlungsort der aufständischen Bauern gegenüber dem Bündischen Heer gewählt. Das auf der Geleitstraße,  von Ballenberg kommend, Königshofen entgegen marschierte. Diese besondere Lage war auch für Kurmainz wichtig, Königshofen als äußerster Vorposten des Kurmainzer Terrritoriums. Insofern die Ummauerung, der Errichtung einer Warte auf dem Turmberg, die Errichtung einer Tauberbrücke.


"Bei der günstigen Verkehrssituation Könighofens hätte dieser Markttag wohl schon damals eine überregionale Bedeutung gehabt: in Königshofen kreuzten sich die Taubertalstraße von Rothenburg herkommen mit dem wichtigen aus Nürnberg über das sogenannte Knäbleinskreuz (zwischen Bütthard und Vilchband gelegen) ziehenden Fernweg, der über Sailtheim hinunter in das Taubertal führte und den Ortsetter von Königshofen nördlich tangierte. Wir müssen uns dies heute klarmachen: der Weg über Sailtheim spielt heute keine Rolle mehr - aber bis in die frühe Neuzeit war diese Verbindung sehr wichtig. Sie führte von Sailtheim, am Dreifaltigkeitsbild vorbei auf die Tauberbrücke zu, die ja unterhalb der ehemaligen Stadtmühle (Neckermanns-Mühle) die Tauber überspannte. Ihabe vor kurzem, vom Hexenstock kommend, das Tauberufer angeschaut. Dort sind die Fundamente des Uferpfeilers noch gut zu erkennen. Die Straße verlief dann über das Gebiet des heutigen Bahnhofs in Richtung Sachsenflur an der früheren Sägemühle vorbei, ohne vorher die Umpfer überqueren zu müssen. Es steht für mich außer Zweifel, daß der Königshöfer Markt von Anfang an aufgrund dieser zentralen Verkehrslage eine große Bedeutung besaß, nicht nur für die Bürger von Königshofen, sondern für ein weiteres Gebiet - und im Grunde genommen ist diese Bedeutung über all die Jahrhunderte erhalten geblieben.

Hugo Ott: Die erste schriftliche Erwähnung des Königshöfer Marktes 1415. Gedanken zur 575-Jahrfeier - vorgetragen auf dem Festbankett am 13.9.1990. In: Hugo Ott, Geschichte von Königshofen an der Tauber, 1992, S. 177

... es bleibt aber noch übrig, die besondere Bedeutung des Marktortes Königshofen zu analysieren, die mit der Verkehrslage zusammenhängt, Sie erinnern sich an die Straßenkreuzung, die ich eben bei der Schilderung des Cent-Gefängnisses vorgestellt habe. Königshofenlag einmal an der alten Tauberstraße, d. h. diese Straße ging immer schon durch den Ort, bzw. sie führte in fränkischer Zeit unmittelbar am Fuße der bewehrten fränkischen Siedlung vorüber - geschützt vor dem Hochwasser der Tauber auf der östlichen Seite des Tales, wo schon in uralten Zeiten die Menschen gesiedelt haben, wie die Funde draußen beim Ecks Johann zeigen oder drunten in Tauberbischofsheim auf den Gewannen gegen Impfingen. Zum anderen war Königshofen an der alten Heerstraße und an dem alten Fernhandelsweg gelegen der aus dem Rhein- und Neckargebiet über den Schüpfer Grund im weiten Teil der Tauber vorbeizog hinauf über Sailtheim, hinüber nach Bütthard und weiter in den Nürnberger Raum; zuerst als fränkische Heerstraße, später als Fernhandelsweg - für uns heutige Menschen nur schwer vorstellbar. Aber: so war es, und die alte Tauberbrücke, wie ich diese habe abbilden lassen in der Festschrift samt den alten Wegführungen machen das wohl anschaulich. Ich will hier nur kurz festhalten: aus dem Nürnberger und Würzburger Gebiet gab es drei Hauptstraßen: die von Würzburg nach Tauberbischofsheim, die über Königshofen und die über Mergentheim - andere Strecken waren nur Nebenstrecken, hatten keine überregionale Bedeutung. Leider liegt die Erforschung der Straßen, trotz erfreulicher Ansätze, noch im argen. Da muß noch viel getan werden.


Hugo Ott: Die erste schriftliche Erwähnung des Königshöfer Marktes 1415. Gedanken zur 575-Jahrfeier - vorgetragen auf dem Festbankett am 13.9.1990. In: Hugo Ott, Geschichte von Königshofen an der Tauber, 1992, S. 191

Geleitstraße Tauberbischofsheim - Knäbleinskreuz - Aub (Frankfurt - Nürnberg). Diese Karte läßt von Königshofen eine Geleitverbindungsstrecke zum Knäbleinskreuz auf dem Geleitfernweg Nürnberg - Frankfurt ziehen.


Auszug aus der Fackenhofenkarte von 1792. Eine erste per Trigonometrie gemessene und genauere Karte unseres Raumes. Allerdings sind hier gegenüber 1525 Wege durch den Chausseeausbau des 18. Jahrhunderts im Verlauf verändert.





Herausragend, Hervorragend. Aus dem Ortsbild. Das Hohe Haus. Als kurmainzischer Amtssitz von kurmainzischen Amtsknechten, Schultheiße, später Vögte. Die Königshofen ins Fleckenregime hinein kontrollierten, Anordnungen setzten.

"... Die Sage berichtet, in einem noch stehenden Haus habe einst ein Edelmann gewohnt, der, wie Geßler in der Schweiz, seinen Hut auf eine Stange hängen ließ und nun verlangte, daß alle durch Abnahme ihrer Kopfbedeckung diesem dieselbe Ehre erweisen sollten, wie ihm selber; er habe auch gedroht, jeden, der es nicht thue, von seinem Fenster aus niederzuschießen. Als er dies einmal wirklich that, hätten die Bewohner des Städtchens sein Haus gestürmt und ihn von einem Fenster des oberen Stockes herabgestürzt." (J. Berberich, Die Geschichte der Stadt Tauberbischofsheim und des Amtsbezirks, 1895, S. 328). Er landete auf dem Misthaufen des kleinen Hofes. Anschließend hätten sich die Königshöfer Bauern dem bäuerlichen Aufstand von 1525 angeschlossen. Schöne Sage, die das Spannungsverhältnis Königshofen - Kurmainzische Amtspersonen wieder gibt, wenn auch kein konkretes Ereignis, so doch thematisierend, dass da nicht immer Einigkeit zwischen Untertanen und Obrigkeit bestand. Wenn man die Obrigkeit nicht direkt schlagen kann, so doch treffend in einer Chiffre einer Sage, die an die Nachkommen weiter gegeben wird.




Optimaler Standort eines Bildstockes, 3-Wege-Standort, 3-Steigen-Beginn


Als Königshofen, unsere Region, ein Schönstatt-Bewegungsort war.




Das neueste Königshofen? Zwischen neuem Pflegealtenheim und "Geile Zeit - Mia Julia"





Relikt des älteren Königshofens: Antoniuskapelle und zwei Bildstöcken links und rechts der Kleinstkapelle



Königshofen, der innere Ort, die äußere Gemarkung, weist mehrere sakrale Stellen, Bildstöcke, Kapellen auf. An einigen werden die Bildstöcke dual aufgestellt, wie Wächter des Sakralen. Ob der 2. Juni 1525 solche Räume der religiösen Erinnerung, des Trostes gefördert hat? Auch wenn diese nicht konkret an die Bauernkriegsschlacht erinnern? Oder nur Zeichen der Rekatholisierung, einer Überformung der Gedanken eines Aufstandes?




Straßensituation am Gesellenhaus, Oberer Grabenweg. Früher war hier ein Graben, der heute aufgefüllt ist.



Ebenfalls am Gesellenhaus (rechts). In Königshofen versteht man Strassenräume bei der Aufstellung von Bildstöcken und Statuen aufzuwerten.







Das Kircheninnere hat den 2. Juni 1525 nicht erlebt, wurde modernisiert, neu erbaut.




Beichtangebot Kirche Königshofen: Platz für den Bauernjörg, seine Sündentaten im Frankenland und darüber hinaus zu beichten - allerdings dann Bauernjörg die andere Türe nutzen! - Knien ist für den Bauernjörg beim Beichten angebracht!


Ende 1525. Kaiser Karl V. ernennt den Bauernjörg zum Erbtruchsess: "So schicklich dapffer vnd wol bewysen vnnd gehalten, mit clainer anzall gegen vill Tausent bosshafftigen Bawren auch anndern mutwilligen, zugeloffen vnnd versamleten volck mit grosser, seins leibs vnnd lebens geferlichait, an vill ortten Ritterlich vnd loblich mermals gestritten vnnd obgesigt dieselben zu Straff vnnd gehorsam, auch deshalben allenthalben im hailigen Römischen Reich guten frid, Recht, gaistlich vnnd weltlich Oberkait satzung vnnd ordnung, so dazumal vast gar umbgestossen vnd vnndertruckt worden, wider pracht hat."


1531: Ein Leichenzug näherte sich Waldsee. Das Wappen der Waldburger wehte voran: drei goldene Tannenzapfen, drei schwarze Löwen, eine aufgegangene Sonne, der Reichsapfel. Vor der Kirche wurde der Sarg abgeladen. Es wurde an die verschlossene Kirchentüre geklopft. Eine Stimme fragte aus dem Innern der Kirche: "Wer wünscht Einlaß?" Antwort: "Der Bauernjörg!" Eine Frage, die nun aus dem Kircheninnern hätte kommen müssen: "Hat er seine Sünden im Bauernkrieg gebeichtet und bereut?" Wir können uns die Antwort auf diese fiktive Frage vorstellen. Er wurde dennoch in das Schiff der Kirche eingelassen (Sponsor dieser Kirche). Die Gebete der Kirche wurden gesprochen, der Sarg in die Gruft der Waldburger hinabgelassen. Ein Psalmgesang beschloss, eine Leichenrede wurde nicht gehalten. Das Grabgewölbe wurde verschlossen. Der Bauernjörg, der Truchsess von Waldburg, der Schlächter im Namen schwäbischer, süddeutscher Städte, Fürsten und Bischöfe, der Hauptverursacher des Bauernkrieges, ruhte nun in der Gruft der Waldburger. Für die Bauern und Bürger Süddeutschlands viel zu spät.


Ziemlich frei nacherzählt nach Albert Werfer, Der Tod des Georg Truchseß. Aus der historischen Novelle: " Ubald der Landsknecht des Truchseß Georg von Waldburg", Verlag Franz Alber, Ravensburg.



Der Chorraum des Altars weist eine überraschende Luftigkeit der Säulengestaltung auf, es geht leicht nach oben. Fern von einer Niederlage. Fern von Fesselung an feudale Verhältnisse.



Bildstock in direkter Nähe der Kirche, bei Turm und Krypta.



Mächtiger Baum, kräftiger Beton bei der Kirche.