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Beschwerdeartikel der Bauernhaufen sowie Forderungen in Schreiben








Forderungen des Pfeifers von Niklashausen Frühjahr / Sommer 1476


Zum erstenn understet er sich one underlaß vor dem folck zu predigen und zu sagen in massen, wie hie nach geschriben statt:

Item, wie im die junffraw Maria, die mutter gotteß, erschynen sin sall, zu versteen geben hab den zorn gotteß wydder menschlich geslecht und sunderlich wydder die priesterschaft.

Item, daß gott darum sin straff hat thon wollen, win und korrn uff Crucis erfrorn solt sin; das hab er gewendt durch sin gebett.

Item, wie so groß volkommen gnade im Taubersstalle und meher sin sall dan zu Rome ader an eynchem ende.

Item, welchs mensch den Tuberthall begryfft, der erlange auch all volkommelich gnade; und wan er sterbe, so fare er von mond uff zu hymmell.

Item, welchs mensch nyt in die kirch kommen kan, alß dan die cleyn ist, nichts destmynder erlange er die gnade.

Item, er woll deß sin thru zu phan setzen: und were eyn sele in der heln, so wolt er sy myt de hant heruß furen.

Item, wie der keyser eyn bößwicht sy, und myt dem babst ist eß nüst.

Item, der keyser geb eynem fursten, graven und rytter und knecht geistlich und weltlich, zoll und uflegung uber das gemeyn volck - ach we, ir armen tübel!

Item, die geistlichen haben vil prynden; sal nyt sin, sollen nyt meher haben dan von eynem mall zum andern.

Item, sy werden erslagen, und in kurtz wurt eß darzu kommen, daß der priester mocht die platt bedecken myt der hant; dett er gern, daß man in nyt kennet.

Item, wie die fisch in dem wasser und daß wilt uff dem felde sallen gemein sin.

Item, wie daß die fursten geistlich und weltlich, auch graven und rytter so vil haben hetten daß die gemeyn, so hetten wir glich alle genugk; daß dan geschehen muß.

Item, eß kompt dar zu, daß die fursten und hern noch umb eynen taglone mussen arbeitten.

Item, vom babst halt er wenick, deß glichen vom keyser; dan sy der babst frome und werde darin funden an synen letzten ende, deß glichen der keißer, so farn sy on myttel zu hymmel, werden sy aber boeß funden, so farn sy on myttel in die helle; also daß er nichts vom fegefuer helt.

Item, er will die juden ee bessern dan geistlichen und schriftrichen. Un wan schon eyn priester im glauben gebe, so er widder heym kompt, setzen sich zweyn ader dry uber ine und cleuben im die orn allß vol, daß eß vil besser wurtt dan vor.

Item, die priester sagen, ich sy eyn ketzer und wollen mich verbrennen. Wusten sy waß eyn ketzer were, sie erkentten, daß sie ketzer weren und ich keyner. Verbrennen sy mich aber, wee inen; sy werden wol innen, waß sie gethon haben, und daß wurt an inen uß geen.

Item, zu Holtzkichen ist eyner under dem volck vor ine nydder geknytt, den hat er absolvirt und in darnach geyn Niclaßhußen zum perrer gewissten.

Item, die mutter gots woll zu Niclaßhußen meher geertt werden dan nyrgent anderß wo.

Item, er sagt, der bane sy nichts; und die priester scheiden die ee; daß nymans gethon mag dann gott.

Solichs alleß und noch vil meher haben uffenbar schriber und zugen gehortten und geschriben.

(Handschrift in Bonn, Universitätsbibliothek, Historia ordinum religiosorum Nr. 466 b, später Hs. 747; 1945 vernichtet. Abdruck nach Ullman, Reformatoren, I, 1866, S. 365f.)




In neudeutscherer Form:


Item wie ihm die Jungfrau Maria erschienen sei und ihm den Zorn Gottes wider das Menschengeschlecht und sonderlich wider die Priesterschaft geoffenbart hat.


Item wie so große vollkommene Gnad im Taubertal mehr dann zu Rom oder anderswo zu erlangen sei. Und wer hier Gnad erlange, dem fahre die Seele, wenn er sterbe, vom Mund auf in den Himmel.


Item wie die Fisch in dem Wasser und Wild auf dem Feld sollen gemein sein.


Item wie der Kaiser ein Böswicht sei und mit dem Papst ist es nichts.


Item der Kaiser gibt einem Fürsten, Grafen, Ritter und Knecht geistlich und weltlich Zoll und Steuern über das gemein Volk, ach weh ihr armen Teufel!


Item die Geistlichen haben viel Pfründ, das soll nicht sein. Sie sollen nicht mehr haben, dann von einem zum andern Mal.


Item sie werden erschlagen, und bald wird es dazu kommen, daß der Priester seine Platte gern mit der Hand bedecken möchte, damit man ihn nicht erkennt.


Item wenn die Fürsten, geistlich und weltlich, auch Grafen und Ritter soviel hätten wie der gemein Mann, so hätten wir alle gleich genug, was dann geschehen soll.


Item es kommt dazu, daß die Fürsten und Herrn noch um einen Taglohn müssen arbeiten.



(Von Spitzel des Würzburger Bischofs Rudolf von Scherenberg mitgeschriebene Predigtsätze des Pfeifers von Niklashausen)






Kommentar:

Der Pfeifer von Niklashausen spricht 1476 in seinen Predigten die Sünden der Menschen an, die Sündenschlechtigkeit der Welt. Dafür läßt sich erlösende Gnade durch Busse erlangen. Im Taubertal, in Niklashausen ist die nötige Gottesgnade besser als in Rom. Dort thront ein unfähiger, verkommener Papst. Mit diesen Thesen zur richtigen Busse der Menschen ist der Pfeifer von Niklashausen ein früher Luther. Der aber weit weniger Busse-Thesen benötigt als Luther in einem sehr großen Teil seiner 95 Thesen. Da hätte Luther viel von einem einfachen Schäfer lernen können sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.
Gottes Zorn richtet sich gegen die verlotterte Geistlichkeit, gegen das abwegige Papsttum. Geistlichkeit, die Klöster haben zuviele Pfründe, d. h. beziehen vom Volk zuviele Leistungen wie Zehnte, Gülte. Die Priester, die Mönche sollten dagegen, statt in Reichtum zu schwelgen, das Leben von Bettelmönchen führen, sich um ihr nächstes Mahl kümmern müssen, nicht aus angelegten Vorräten heraus. Der Pfeifer sagt Gewaltaktionen gegen die Geistlichkeit, gegen Mönche voraus. Auch gegen das Kaisertum geht der Pfeifer von Niklashausen an. Auch hier herrscht eine generelle Schlechtigkeit. Der Kaiser vergibt an die Herrschaften Möglichkeiten, vom gemeinen Volk Steuern und Zölle zu erheben, die immer mehr zur Last werden. Radikale Gleichheitslosungen treten auf, geistliche und weltliche Fürsten, Grafen, Ritter sollen soviel haben wie der gemeine Mann. Ebenso sollen Fürsten, die Herrschaften selbst um einen Taglohn arbeiten, um ihr Leben zu fristen, also nicht von Zinsen, Zehnten, Steuern leben. Wie fast 50 Jahre später im Bauernkrieg 1525 wird eine freie Fischwirtschaft, ein allgemeines Jagdrecht gefordert.








Artikel des Bauernhaufens in der Rothenburger Landwehr vom 25. März 1525


Lieben bruder und nachburn! Es ist euch wissend, das yetzunder, gott hab lob, allenthalben scheint und von tag zu tag nach göttllchem willen ye lenger, ye mer ausbricht das war, ewig wort gottes, befinden wir in demselben, das wir an vilen stucken hochlich beschwert sein, weliche auch stracks wider gott, sein ewigs wort, auch die liebe des nechsten sind, derhalben wir uns zusamen gefugt, und seytainmal ir als bruder und liebhaber der gerechtigkait ewer mitverwandten zu uns geschickt, euch zu wissen tun, was unser prechen und anligen, auch maynung sey, wöllen wir euch dasselbig aus bruderlicher lieb nicht verhalten.


So vernembt kurzlich unser anligen, nemlich das wir hoch beladen sein mit hauptrecht und handlon, als ein yegklicher selbs in seinem gewissen ermessen mag.

Weyter mit der stewr sein wir auch ubermassen beladen.

Mer mit einem unerdachten und seltzamen uffsatz, mit dem cloengelt, so es ye ain jemerlich ding ist, das kainer in der ganzen landwer kain aigne ku haben soll.

Weyter das bodengelt und ungelt, welichs auch ain sonderer uffsatz ist und clar wider das wort gots und die liebe des nechsten.

Auch nachdem mir all (als ich hoff) zu einem ewigen, warn gottglauben ains tawfs getawft sein, ain ainigs, ewigs, zukunftigs leben hoffen, hat der tewfel durch sein tawsendfundige list eingefurt ain grossen grewel in die christenhait, das ainer des andern aigen sein soll, so wir doch all ain corper christlicher gemaind sein, welicher haupt ist Christus Jhesus, unser erlöser.

Weiter sein wir beschwert sovil gaistlicher anderswa bey uns allenthalben einnemen, groß und clain zehend und sie doch gar nichtz darumb tun, auch damit ire caplon [caplan] verursachen, das sie uns teglich schinden und schaben mit iren lugen und menschentand, woller wir hinfur den, so bey uns die muw tragen, belonung tun, dann ain taglöner ist wirdig seins taglons, wer aber nit arbait, der nyeß auch nichtz.

Mer sollen abgetan werden all unpillich zöll, auch sein insonderhait etlich gemain und nemlich Brethain newlich beschwerdt worden, den von Rotemburg jerlich zu raichen von der gemain acht guldin und den chorherren drei guldin, welichs auch ain grosse newerung ist.

Weyter befrembt euch uff uns, so euch unrecht angezaigt, auch mir mit nicht gesteen, das mir die marggrefischen, auch hinder ander herrschaft sitzend uns zuzuziehen benötigen und fordern, dann mir versamelt sein, der gerechtigkait beystand zu tun, kommen etlich zu uns oder bey uns wer, die mir nicht wissen, treyben wir kain weg, notigen auch kain zu uns.

Auch, lieben bruder und nachburn, sehet ir yetz und fuelt die höchsten beschwerd, weliche clar wider gott, sein ewigs, wars wort und die liebe des nechsten sein. Uber das hat ain erber rat in allen flecken geschickt und angeschlagen, uns all maynaidig scheltend, welichs mir nicht gesteen, dann mir gelobt haben, alle gepurlichs, und das wider gott nit sey, zu halten globt; unser aber anligen ist alles, als ir sehet in den artickeln obvermelt, [nit] ungepurlich wider gott und die liebe des nechsten, derhalben uns maynaidig zu schelten geschicht uns unrecht.

Nun, lieben bruder, wist ir unser anligen, und ob etlich artickel der eyl halben uns noch unbedacht wern, wöllen wir vorbehalten mit der zeyt euch anzuzaigen, und ob ir etwas ungeburlichs in unserm schreyben oder artickeln befundt, wollen wir bruderliche underweysung uffnemen, als weyt die gerechtigkait reicht.

Bitten euch, uffs kurzst ewer maynung uns kund zu tun.

Datum 1525 sambstags nach Oculi [25 März].

Die hauptlewt, auch aller ganzer heller hawf.


(Abgedruckt bei Zweifel, Seite 77 - 78 sowie Bensen Seite 520 - 521)








Beschwerdeartikel der armen Rothenburger Weinhäcker


Item der erst artickel, des die armen hecker anzaigen, das ist der: Wenn in der wein wechst, und wann sie ine zu sant Michelstag [29 September] ablesen, so ist er in verbotten, das sie in nit dörfen schenken, biß in ain rat erlaupt, so tun sie ains und schatzen in, und ist in kainer statt sunst der geprauch, und verhemmen uns das unser und bieten uns, das wir geben stewr, gult und zehend, und zwingen uns darmit, das mit den wein mussen geben, wie sie wöllen, und sie schenken iren uff das tewrst, und schatzt in nyemand, und mir sein arm lewt und haben daruff gessen und borgt biß uff den herbst, darnach wollen die schuldiger bezalt sein, so verhemmen sie das gut, und sie wollen zuvoran bezalt sein, und mir bitten euch als liebe herren, das mir arm burger hie dess verholfen, das mir wider ungelt, noch bodengelt von unserm gewechs schuldig sein, was mir hie bawen uff unser mark, was mir mit unsern henden erpawen, darnach konten mir unsere guter bessern hie uff diser mark, und lust ain guten armen gesellen, jung weinberg zu machen, und wurd die mark schon erpawt, und lust ain armen gesellen etwas zu pawen sunst, muss ainer den halben tail schier verlieren, und lust nyemand nichtz zu machen.

Item der ander artickel ist der, das ain rat ain newen bodenguldin hat gemacht uff unser gewechs, das ist geschehen in dreyen jaren, des vor hie nit gewesen ist, mir haben unsern wein geben gein Lewtershawsen oder gein Onolzpach oder in ain dorf, so hat nyemand nichtz geben, und yetzund bey dreyen jaren ist das aufkomen, wann mir in naws geben in das nechst dorf dem wirt zu kawfen, so mussen mir ain news bodengelt geben, das vor nye erhört ist worden von unserm gewechs, das konnen mir armen  mitburger nit erleyden.





Kommentar:

Die Rothenburger Zünfte legten ausführlich ihre Beschwerdeartikel vor. Ein wichtiges Zeugnis, daß der Bauernkrieg viel mehr ein Bauern-, Bürger-, Pfarreraufstand war. Ein breites Bündnis, mit einer breiten ackerbürgerlichen, bodenbearbeitenden Basis. Die armen und ärmsten Rothenburger Häcker sind sehr prägnant mit der auffälligen Konzentration auf zwei Artikel. Die sich auch nur mit der schmalen Basis ihres risikoreichen Lebens und Arbeitens beschäftigen. Dem Weinanbau, der Weinherstellung, dem Weinverkauf. Entsprechend liegen auch ihre auf zwei Punkte gebrachten Artikel, ihre äußerst konzentrierten Beschwerden in diesem Fokus. Den merkwürdigen Beeinträchtigungen ihrer Tätigkeiten. Mit Sondersteuern, mit Vorschriften, die recht neu sind. Der Weinanbau der Häcker war ein riskantes Geschäft. Sie waren auf einen Sonderanbau spezialisiert, den Weinreben. Also nur eine Frucht, eine Ernte zu einer bestimmen Zeit, dem Herbst. Auf diesen Zeitpunkt zielte ihr ganzes Arbeiten und Leben. Sie finanzierten jahrüber ihr geringes Einkommen mit Krediten, die sie dann mit dem Herbstertrag auslösten. Auslösten versuchten. Es gab böse Mißernten, starke Fröste. Ertragslose Zeiten. Da passten beliebig erscheinende Sondersteuern auf ihr Gewächs, ihre spezielle Bearbeitungskultur, ihre notwendige Vertriebsbasis überhaupt nicht, besonders nicht, wenn sie neu waren und nicht von alters her gewohnt. Die beiden Beschwerdeartikel der armen Rothenburger Weinhäcker erklären auch, warum im Taubertal, im Vorbachtal, im Maintal, in den rebenpflegenden Seitentäler soviele kleine Häcker sich am Aufstand beteiligten, wohl auch mit am radikalisierensden waren. Heftig auftraten, lautstark, empörensreich. Ihr Leben war ein besonderes Risikoleben, nicht auf generelle Stetigkeit angelegt, sondern auf Einmaligkeit. Mit einem im Jahr erzielten Ertrag galt es auch die Verluste vorheriger Jahre auszugleichen. Ausfallsversicherung gab es nicht. Da empörten Ertragsabzüge, die neu geschaffen wurden besonders. Der Bauernkrieg war auch ein Weinhäckerkrieg. Ein Krieg der armen und ärmsten Weinhäcker. Die sich auf zwei gewichtige Beschwerdeartikel reduzieren konnten.




5. April 1525,   Brief des Taubertaler Haufens von Röttingen nach Lauda


Etliche von Euch haben uns mündlich und schriftlich gebeten, mitzuteilen, was wir wollen. So sagen wir Euch: Das ewige, wahre Wort Gottes soll aufgericht und bekräftigt sein. Was dasselber tötet, soll tot sein. Das sind unsere vornehmsten Artikel: Abgeschafft sollen Hauptrecht und Handlohn sein; auch die Bede, von der der Arme beschwert ist. Auch das Umgeld soll aufgehoben sein. Da wir eine christliche Gemeinde sind, deren Haupt Christus ist, soll keiner mehr des andern eigen sein. Da die Geistlichen den großen und kleinen Zehnten einnehmen und damit keine Mühe haben, durch ihre Kapläne aber den gemeinen Mann belügen und verführen, soll die Gemeinde Macht haben, den Geistlichen zu setzen, der das Evangelium verkündet. Tut er das nicht, soll er abgesetzt werden.


Kommentar:
In dieser Kurzform der Forderungen des Tauberhaufens steht das wahre Wort Gottes an erster Stelle. Es bedarf einer Reformation, um alle ungültigen Zusätze abzulegen. Das Recht auf Priesterwahl durch die Gemeinde, also die Bestellung eines Priesters, meistens in den 12 Artikeln an zweiter Stelle, rückt hier an den Schluß der Wollenserklärung des Taubertaler Haufens. Vermischt mit der Ablehnung von Erweiterungen der Zehnteinnaheme. Unter dem Begriff der Geistlichen werden die Klöster eingeschlossen, als Großgrundbesitzer Hauptangriffspunkt der bäuerlichen Vereinigungen. Abgeschafft sollen die Vielzahl von Steuern und Abgaben, die nicht durch die Bibel gedeckt sind und neueren Charakters sind wie Handlohn, Bede, Umgeld, also Verbrauchssteuern. Innerhalb der christlichen Gemeinschaft soll es keine Leibeigenschaft mehr geben. Ebensowenig christlich, biblisch abgedeckt ist das Hauptrecht, oft auch Besthaupt genannt. Also die Abgabe des besten Stück Viehs im Todesfalles eines Familienoberhauptes.










Rothenburg sendet mit Datum 7. April 1525 die 12 Artikel nach Lauda (Stephan Oehmann: Oberlauda, Seite 45, 1949). Von Oehmann verneudeutscht.


1.
Die Gemeinde soll ihren Pfarrer selbst wählen und die Macht haben ihn abzusetzen. Der Pfarrer soll das hl. Evangelium lauter und wahr predigen ohne alle menschliche Zusaätze.
2.
Sie wollen den rechten Kornzehnten gern geben, den kleinen Zehnt jedoch nicht. Denn Gott, der Herr, habe das Vieh dem Menschen frei erschaffen. Der kleine Zehnt ist unziemlich und den wollen sie daher nicht geben.
3.
Daß sie uns für ihr eigen Leut halten , ist zum erbarmen, denn Christus hat uns alle mit seinem kostbaren Blutvergießen erlöst und erkauft. "Nit das wir gar frey sein, kain obrigckait haben wollen das leret uns got nit".
4.
Es dungt uns unziemlich und unbrüderlich, daß kain armer Mann Wildbret erlegen oder Fisch im fließenden Wasser fahen (fangen) darf, sondern eigennützig und dem Worte Gottes gemäß.
5.
Unsrer Herrschaften haben die Hölzer allein geaiget: und wenn der arme Mann etwas bedarf, muß er "um zwai gelt" kaufen. Die Hölzer, die geistliche und weltliche Herrschaften innehaben, sollen der ganzen Gemeinde anheimfallen und es einer Gemeinde freistehen, sein Brennholz umsonst zu nehmen und mit Wissen derjenigen, die von der Gemeinde dazu erwählt, auch Holz für Bauzwecke zum Zimmern umsonst nehmen.
6.
Sie fordern, daß sie nicht mehr Dienste leisten, als die Eltern geleistet, allein nach Laut des Wortes Gottes.
7.
Die Güter sollen von der Herrschaft nicht weiter beschwert werden. So wie die Herrschaft einem Bauern sie verleiht, soll sie bleiben, und der Herr soll nicht weitere Dienste von ihm umsonst verlangen!
8.
Sofern Güter die Gult nicht ertragen können, und die Bauern darauf einbüßen und verderben, begehren sie, da´eine gerechte Gult festgesetzt wird, damit der Bauern icht umsonst arbeitet.
9.
Beschwerde großer frevel halber; es soll auch nach alter geschriebener Straf und nicht nach Gunst verurteilt werden.
10.
Wiesen und Äcker, die einer Gemeind zugehören, aber sich etliche Herren angeeignet haben, sollen wieder der Allgemeinschaft zukommen.
11.
Wollen sie den Brauch, genennt der Todfall ganz und gar abgetan haben, den nimmer leiden und gestatten, daß man Wittwen und Waisen wieder Gott und Ehr schändlich nehmen und berauben soll. ... und die uns beschätzen und beschirmen sollten, haben uns geschunden und und geschaben. ...
12.
Wenn einer oder mehrere Artikel dem Worte Gottes widersprechen, so wollen sie davon Abstand nehmen.










Mergentheimer Artikel vom 18. April 1525


Ferdinand Oechsle: Beiträge zur Geschichte des Bauernkrieges in den schwäbisch-fränkischen Grenzlanden, Heilbronn 1830,  S. 141 f


Am 18. April 1525 übergaben Bürgermeister, Rath und ganze Gemeinde zu Mergentheim dem Commenthur diese Artikel:


... daß ihr christliches evangelisches Vornehmen ihnen und ihren Erben und Nachkommen, auch ihren Helfern und Rathgebern ohne Schaden und unnachtheilig seyn solle; sie erklären ferner, daß sie in Zukunft Hauptrecht, Handlohn, alle unbilligen Zölle, Umgeld, Bede, Steuer, Dienste, großen und kleinen Zehnten, als dem Worte Gottes zuwider, nicht mehr geben und thun, daß sie nicht mehr eigen seyn wollen, daß sie Pfarrer, die das Wort Gottes verkündigen, anzunehmen, und die, welche es nicht können, zu entsetzen Macht haben wollen. - Die neue Wiese, die vor vielen Jahren ein gemeiner Wasen gewesen, ingleichen der Bach von Neukirchen bis an die Tauber mit seinen Fischen, Weide und ein Stücklein Garten, "darauff ettwan mit Züchten zu schreyben eyen haymlich gemach gestannden", sei ihnen von der Herrschaft gewaltiglich genommen worden, das Alles wollen sie wieder haben.  Die beiden Schäfereien im Schloß zu Mergentheim und im Neuhaus wollen sie auch nicht mehr leiden, da dieselben offenbar ihrem Vieh und ihnen in Gärten, Weingärten, Wiesen ganz nachtheilig und schädlich seien, indem sie ihr eigen Vieh hart darauf nähren mögen. Ferner wollen sie haben alle Schlüssel zu den Stadtthoren, und besonders einen freien unverschlossenen Eingang und Ausgang in das Schloß, damit sie dasselbige, wenn sie Fehde oder Feindschaft bekämen, eben so gut als die Stadt verwachen und darin ihr Leib und Leben retten können; das untere Schloßthor und der heimliche Ausgang in den Zwinger hinaus sollen ohne alles Hinderniß vermauert werden. Wenn aber diese lezteren Artikel dem Evangelium nicht gemäß erfunden werden sollten, so sollen sie liegen, todt und ab seyn.



Kommentar:

Die Mergentheimer ergänzen die bekannten Artikel um besondere Beschwerdeartikel, die aus dem angespannten Verhältnis zur Deutschherrenstadtherrschaft stammen. Allmendewasen wurden vertragsbrüchig zu Herrschaftswiesen umgewandelt, das Fischrecht von der Herrschaft angeeignet, die Schafherden der Herrschaft grasen die städtischen Grünflächen ab. Es soll auch keine räumliche Trennung mehr von Stadt und Schloss geben.






Ordnung und Feldregiment des Tauberhaufens


Got dem almechtigen zu lob und ehr und dan gemainen ganzen haufen der versamleten bauerschaft zu gut ist diese ordnung und regiment fürgenomen:
Erstlich wil sich gestalt diser brüderlichen christlichen ainigung nach gebüren, das das wort gottes, welches ain speys der selen ist, täglich, so oft es die gelegenheit zugibt, rain und lauter dem volk verkündt und gepredigt werden solle, das ist auch also zu geschehen beratschlagt für not und billich angesehen.
Zum andern sollen im hellen haufen alle gotslesterung und freventliche schwüre zu meiden verbotten werden.
Zum dritten soll auch allen in diser löblichen christlichen bruderschaft zutrinken und andere überflüssige unordentlicher weys essen und trinken verbotten sein
Zum vierten solle kainer kain spil thun.
Zum fünften unzüchtige frauen soll man im läger nit gedulden.
Item es sollen in diser bruderschaft und ainigung frauen, jungfrauen, witibe und waysen, jungen kinde und alte erlebte kranke leute und kindbeterin unbelaidigt, geschützt, geschirmt und gefreiet sein und pleiben.
Desgleichen soll man alle müller beschützen und unbeschedigt lassen, auch kain pflug berauben, sonder gemainen nutz zu gut handhaben.
Niemand soll sich aus eigem gewalt und frevel unterstehn, closter, kirchen, probstei und dergleichen gaistliche güttere anzugreifen und zu beschedigen on bevelhe und gehais des obersten veldhaubtmans und der räthe.
Welche vom adel in die christliche bruderschaft zu komen begert, solle und muß bewilligen, seine schloß und bevestigung abbrechen zu lassen, oder soll macht haben, solchs in ainer gelegenen fürderlichen zeit selbst zu thun.
Und mitler zeit und ehe ain reformation aufgericht ist, solle ir kainer, weder zent, zins, gült, handlon oder dergleichen Beschwerung vordern, sonder des bis zu ufrichtung der reformation anstehen pleiben lassen.








Schlösser-Artikel des Tauberhaufens (Fränkisches Heer) - Entstehung Anfang Mai 1525

Und mittler Zeit soll man keinem Herrn weder Zins, Zehend, Gult, Handlohn, Hauptrecht oder dergleichen nichts geben, solang bis durch die Hochgelehrten der heiligen, göttlichen, wahren Schrift eine Reformation aufgerichtet werde, was man geistlicher und weltlicher Obrigkeit schuldig zu leisten oder nit.


Item es sollen auch schädliche Schlößer, Wasserhäuser und Befestigungen, daraus gemeinem Mann bisher hohe, merkliche Beschwerung zugestanden sein, eingebrochen oder ausgebrannt werden, doch was darinnen von fahrender Hab ist, soll ihnen, sofern sie Brüder sein wollen und wider gemeine Versammlung nichts getan haben, widerfahrn, und was für Geschütz in solchen Häusern vorhanden, soll gemeiner Versammlung zugestellt werden.

Es sollen auch all die Geistlichen und Weltlichen, Edlen und Unedeln hinfüro sich des gemeinen Bürger- und Bauernrechts halten und nit mehr sein, dann was ein ander gemeiner Mann tun soll.




Kommentar:

"Nicht nur die Schlösser und Wasserhäuser, auch die rechtlichen und politischen Privilegien von Adel und Klerus sollten also zugunsten staatsbürgerlicher Rechtsgleichheit geschleift werden. Gewisse Ehrenrechte wird man beiden Ständen zwar weiter zugebilligt haben, doch sollte der Klerus, anders als der Adel, auch seinen Grundbesitz verlieren.

Im Gegensatz zu den Zwölf Artikeln bedeuteten diese Forderungen Revolution. Die alten Gewalten konnten sie nur ablehnen oder sich ihnen unterwerfen. Darüber darf auch der Appell an die Doktoren der Heiligen Schrift nicht hinwegtäuschen."

(Carlheinz Gräter: Der Bauernkrieg in Franken, 1975, Seite 62 / 63)













12 Artikel des Neckartal-Odenwald-Haufens

übermittelt am 4. Mai 1525 per Boten an den Würzburger Bischof auf dem Schloss Unserfrauenberg, unterzeichnet von Götz von Berlichingen und Georg Metzler. Der Würzburger Bischof indes flieht an diesem Tage aus seinem Schloss, seinem Stift, nach Heidelberg.


Dem hochwirdigen fursten und herren, herren Conraden dits namens bischoven zu Wirtzburg und herzogen zu Francken thun wir hauptleute, verordente räthe und gemaine versamlung cristlicher ainickait des Neckertals und Otenwalds zu vernemen, das wir durch grossen mangel an verkundung und offenbarung des hailigen evangeli und wort gotts nit allain verlasen, sonder hoch und unaussprechlichen nidergedtruckt sind, dazu treffenlich und hoch beschwert durch die öber gewälte, die lange iar und zeit in versamlungen mit unbeträglichen chrosten und verseumnus dem gemainen man allain schwere burden ufgelegt und in solch weyterung gefurt haben, die lenger zu gedulden, den cristlichen herzen unmöglich. aus dem allem bewegt, sind gemaines cristlichen volks erleichterung, mitleidenliche hilf und trostung zu suchen. dardurch in gaistlichen und weltlichen sachen cristlich, bruderlich lieb und treue zu ervolgen, wie dan graven, herren, stette und vil vom adel darzu ain grosse menige der baurschaften mit austrucklichen artikeln das angenomen und bewilligt haben. welche artikel wir euren gnaden hiebey auch zusenden, mit erinerung, wa eur gnaden mit allen verwanten des stifts dieselbigen annehmen, bewilligen, halten und darzu dem, das nachvolgends durch vernet gelert, verstendig, from, christlich leut gemainer versamlung diser landsarten, in allen stenden und obrickaiten reformirt, gemindert, gemert und gebessert oder gesetzt wurt, on waigerung volstreckung thun wollen, so mogt ir uns die euren on verzug mit clarem, lauterem und unufschlegigem bevelhe entgegen schicken, das und, was anhangende notturft ervordert, zu beschliesen; dan, wa solchs unverlengt in vier tagen nit geschehe, werden wir geursacht, unsere mitbrudere und cristen des stifts Wirtzburg gleich uns selbst zu beschirmen und verdretten gegen euch und euren und anhengern zu volfaren, damit wir euch darzu bringen mochten, auch unser eren bewarnus und genugsam offenbarung gethan, euch der gegen handlung, wie sich die ervordert, zu versehen haben. geben und mit unserm gemainenbitschaft zu ende versigelt zu Amorbach uf donerstag nach Misericordia Domini [Mai 4] anno [15]25.



Zum ersten ist unser dimutig bit und begere, auch unser aller wil und mainung, das wir nun furohin gewalt und macht wollen haben, das ain gnze gemainde ain pfarhern selbst erwölen und kiesen, auch gewalt haben, denselbigen wider zu entsetzen, wan er sich ungepurlich hielte. derslbig erwölte pfarher solle uns das haylig evangeli lauter und clar predigen on alle menschliche zusätze, lere und gebot, dan uns den waren glauben stäts verkundigen, geyt uns ain ursach, got umb sein gnad zu bitten, uns denselbigen waren glauben einzubilden und in uns zu bestäten; dan wan sein gnad in uns nit eingebildet wurt, so bleyben wir stäts flaisch und plut, das dan nichts nutz ist, wie clärlich in der geschrift stet, das wir allain durch den waren glauben zu got komen konnen und allain durch sein barmherzickeit sälig mussen werden. darumb ist uns ain solcher vorgehr und pfarher von nötten und in dieser gestalt in der geschrift gegrunt.


Zum anderen [zweiten]: nachdem der recht zehend ufgesetzt ist im alten testament und im neuen alles erfult, nicht destor minder wollen wir den rechten kornzehend gern geben, doch wie sich geburt; dan, nachdem man ine got geben und den seinen mittailen solle, geburt es einem pfarhern, so das wort gots clar verkundet. seyn wir des willen, das hinfur diesen zehenden unser kirchenpröbst, so dann ain gemain setzt, einsamlen und einnehmen, davon ainem pfarherr, so von einer ganzen gemaind erwölt wurt, sein zimlich gnugsam ufenthalt geben, im und den seinen nach erkatnus ainer ganzen gemain. und was uberbleybt, soll man armen durftigen, so im selbigen dorf vorhanden sein, mittaylen nach gestalt der sach und erkantnus ainer gemainde. was uberbleybt, soll man behalten. ob man raysen must von landsnot wegen, damitman kain landsteuer durf uf den armen man legen, soll man es von disem unberschuss ausrichten. auch ob sach were, das ains oder mer dörfer weren, die den zehenden selbst verkaufft hetten etlicher not hlaben, dieselbigen, so es der gestalt von ainem ganzen dorf haben, die solllen, so es angezeiagt, des nit entgelten, sonder wir wollen uns zimlicher weys nach gestalt der sachen mit inen vergleichen, inen solchs wider zimlicher zil und zeit ablösen. aber were von kainem dorf solchs erkauft hat, sonder seine vorfahren ime solchs zugeaigent haben, wollen, sollen und seind wir inen  nichts weiters schuldig zu geben, allain, wie obstet, unsern erwölten pfarherrn damit zu unterhalten, nachmalen ablösen oder den dorftigen mittailen, wie die haylig geschrift inhelt, sie sind gaistlich oder weltlich. den clain zehenden wollen wir gar nit geben, dan got der herre das viehe dem menschen frey beschaffen, das wir fur ain unzimlichen zehend schatzen, den die menschen erdichtet haben, darum wollen wir ine nit weyter geben.


Zum tritten ist der brauch bisher gewesen, das sie uns fur ir aigen leut gehalten haben, welchs zu erbarmen ist, angesehen, das uns Christus alle mit seinem kostparlichen blutvergiesen erlöst und erkauft hat, den hirten gleich als wol als den hochsten, kainen ausgenommen, nit das wir gar frey sein, kain obrickait haben wollen, das leret uns got nit, wir sollen in gebotten leben, nit in freyem flaischlichen mutwillen, sonder got lieben, in als unseren herren in unsern nechsten erkennen und inen alles das erzaigen, das wir auch geren hetten, welchs uns got am nachtmal gebotten hat zu ainer letze. darumb sollen wir nach seinen gebotten leben. zaigt und weyst uns das gepot nit an, das wir der Öbrickait gehorsam seyen? nit allain der obrickait, sonder wir sollen uns gegen ydermann diemutigen, was wir auch geren gegen unserer erwelten und gesetzten obrickait (so uns von got gesetzt) in allen zimlichen christlichen sachen gehorsam sein, sind auch on zweyvel, ir werdent uns der aigenschaft als ware und rechte cristen geren erlasen oder uns im evangeli des berichten, das wir es seyen.


Zum vierten ist bisher brauchlich gewesen, das kain armer man gewalt gehabt hat, das wildpret, vögel oder visch in flissenden wasser zu fahen, welchs uns ganz unzimlich und unbruderlich dunkt, sonder aigennutzig und dem wort gotes nit gemes sein, auch in etlichen orteren die obrickait uns das gewilde zu trutz und mechtigen schaden haben will, wir das unser, so got den menschen zu nutz hat wachsen lassen, die unvernunftigen zu unnutz erfretzen, mutwilliglich leiden mussen, dazu still schweygen, das wider got und den nechsten ist. wan als got der herre den menschen erschuf, hat er ime gealt geben unber alle thier, uber die vögel im luft und uber den visch im wasser, darumb ist unser begeren, wan ainer wasser hat und mit genugsamer schrift beweysen mag, das man ime das wasser wissentlich verkauft het, begeren wir, ime das mit gewalt nit zu nemen, sonder man must ain cristlich einsehen darin haben von wegen bruderlicher liebe. aber wer nit genugsam anzaigen darumb thun kan, der sols ainer gemainde zimlicher weys mittailen.


Zum funften sind wir auch beschwerde der beholzung halben; dan unsere herschaften haben inen die hölzere alle allain geaiget. und wan der arm man etwas bedarf, muss ers um zwai gelt kaufen. ist unser mainung: was fur hölzer sein, es haben die gaistlich oder weltlich inen, die es nit erkauft haben, sollen ainer ganzen gemain wider anhaims fallen und ainer gemain zimlicher weys frey sein, ainem jeglichen sein notturft in das haus zu brennen umbsunst lasen nemen, doch mit wissen der, so von der gemainde darzu erwelt werden. so aber kains vorhanden were, dan  das, so redlich erkaft ist worden, soll man sich mit demselbingen bruderlich und christlich vergleichen, wan aber das gut am anfang aus inen selbst geaigent wer worden und nachmals verkauft, solle man sich vergleichen nach gestalt der sach und erkantnus bruderlicher lieb und hailiger schrift.


Zum sechsten is unser hart beschwerung der dienst halben, welche von tag zu tag gemert werden und täglich zunemen. begeren wir, das man ain ziemlich einsehen darin thun, uns dermasen nit so hart beschwere, sonder uns gnedig hierin ansehe, wie unsere elteren gedient haben, allain nach laut des wort gottes.


Zum sibenden, das wir hinfuro uns ain herschaft ni weyter wollen lassen beschweren unsere gutere, sonder, wie es ain herschaft ziemlicher weys ainem verleyhet, also soll er es bsitzen laut der verainigung des herren und baueren. der herre soll ine nit weyter zwingen noch tringen, mer diensts, noch anders von ime umbsunst begeren, damit der baur solch gut unbeschwert aber ruiglich brauchen und niessen mög. ob aber des herren dienst von notten were, solle ime der baur willig und gehorsam vor andern sein, doch zu stund und zeit, das dem bauren nit zu nachtail diene und ime umb ain zimlichen pfening den thun.


Zum achten sein wir beschwert, und der vil, so guter inhaben, da dieselbigen guttere die gult nit ertragen konnen und die bauren das ir daruf einbussen und verderben. begeren wir, das die herschaft dieselben guttere durch erbar leut besichtigen lasen und nach der billickeit ain gult erschopf, damit der baur sein arbeit nit umbsunst thue; dan ain ider taglöner ist seins lons wirdig.


Zum neunten sein wir beschwerdt der grossen frevel halben, so man stets newe satzung macht, nit das man uns nit straf nach gestalt der sachen, sonder zu zeiten aus grosem neid und zu zeiten aus grosem gunst. ist unser mainung, uns bey alter geschribener straf zu strafen, darnach die sach gehandelt ist, und nit nach gunst.


Zum zehenden sein wir beschwerd, das etlich inenhaben zugeaigent wisen und dergleichen ecker, die dan ainer gemain zugehoren. dieselbigen werden wir wider zu unsern gemainen handen nemen, es sey dan sach, das mans redlich erkauft hab. wan mans aber unbillicher weys erkauft hett, soll man sich gutlich und bruderlich mit ainander vergleichen nach gestalt der sachen.


Zum ailften wollen wir den brauch, genant den todfal, ganz und gar abgethan haben, den nymer leiden noch gestatten, das man witwen und wisen das ir wider got und ehr also schentlich nemen und berauben soll, wie es an vil orten mancherlai gestalt geschehen ist. und die uns beschutzen und beschirmen solten, haben uns geschunden und geschaben, und, wan sie wenig fug gehabt, hetten sie es gar genomen. das got nit mer leiden will, sonder soll ganz absein, kain mensch nichts hinfuro schuldig sein zuz geben, weder wenig noch vill.


Zum zwolften ist unser beschluss und entlich mainung: wan ainer oder mer artickel, als hie gestelt, so dem wort gottes nit gemess, als wir dan nit vermainen, dieselbigen artickel, wa man uns mit dem wort gots fur unzimlich anzaigen, wollen wir avon abstehn, wan mans uns mit grunt der schrift erkleret. ob man uns schon etlich artickel itz zuliese und hernach sich befunde, das die unrecht weren, sollen sie von stund an todt und ab sein und nichts mehr gelten. dergleichen, ob sich in der geschricht mit der warhait mer artickel erfunden, die wider got und beschwernus des nechstn weren, wollen wir uns auch vorbehalten und beschlossen haben und uns in aller cristlicher lere üben und brauchen. darumb wir got den herren bitten wollen, der uns dasselbig geben kan und sunst nymants.
Der frid Cristi sey mit uns allen, amen.


(Aufgeführt in Lorenz Fries: Die Geschichte des Bauern-Krieges in Ostfranken S. 191 - 195)







Auf Veranlassung von Götz von Berlichingen überarbeitete 12 Artikel des Neckartal-Odenwald-Hauens, erlassen zu Amorbach am fünften Mai 1525.


Wir hawpleut Reth vnd gantz versammlung des gemaynen Christenlichen hawffens Otenwalds vnd Neckertals thun kwnth. Nachdem nit alleinwir sonder auch ander mer Christenlich versamlung, durch schickung gots grosse mengel des wort gots so bisher gewesen zu erheben. Dartzu die mergklichen vnd vil beschwerden wider Christenliche liebe von obern gewaltten getragen. In messigung vnd erleichterung Zu stellen furgenommen. wie dan solchs die erfaßten xii [12] art. [Artikel] begreiffenn. So lang vns an mannigfaltig Irrung Zwitrach vnd mißuerstandt. die bei gemaynem volck erwachsen vnd vff ferrer freihait. dan die selben art. vermogen furgeworffen. Auch In vil ungehormsam der vnderthanen fliessen verwustung etlicher nutzbarn ding pringen vnd Zubesorgen. alles das zu friden ainigkait vnd gutem Fromen angefangen ist In Zerrutung vner vns selbs komen Dothschleg vnnd ander vbel entsteen mogen. Solchs alles Zu vnderfahenn vnser gutt getrew furnemen Zubesorgen vnd Zuhandhaben habenn wir der xii verfasten angezaigten art. ain erklerung vnd darneben etlicher notturftiger stuck Zu Hinlegung merer gebrechen ain weiterung begriffenn wie die von stucken Zu stucken hernach volgenn.


Zum erstenn
Item ain Jede gemain soll mogen gewaltt vnd macht habenn ain Pfarrer oder Pastor der das wort gots getrewlich dem volck predinge vnd furtrag. auch In guten sittenn vnd Christenlichem wandel vorgee. Zu erkiesen vnd erwelen macht habenn. wie offt vnd so dick es die not erfordertt. Auch gewaltt haben den selben widerumb Zu entsetzenn wan er sich vngeburlich hieltte.


Zum andernn [zweiten]
Item ain Jede Stat vnd Fleck soll den grossenn Zehendenn von Wein Korn vnd allem getraid getrewlich einsamlen vnn In dem selbenn Flecken darinnen er gefallen hinderlegen bis Zu end vnd beschluß ainer gemaynen Reformation. Der klain Zehend soll gantz tod vnd ab sein.

Zum drittenn
Die leibaigenschafft soll gantz vffgehaben Crafftlos sein vnd nichts mer gelttenn.

Zum viertenn
Ain Jeder burger oder Bawer In Steten vnd dorffernn soll macht habenn vff seinem grund vnd Boden das wilttbrecht Zu fahenn. schiessen vnd abthun Also auch sunst meniglich dasselbig auch also als sein aigen gut behaymschen vnnd vertzeeren nach ains Jeden gefallen.
Item die wasser vnd Beck so bisher verbant vnd bei leibsstraff verbotten gewesen sind Zuvor der gaistlichen sollen allermeniglichem vffgehtan vnd frei gemacht sein. Es wer dann sach Das man mitt gnugsamen grundt beweisen vnd darthon mochte Das es erkawfft oder Zinsbar gemacht worden were. bis vff gemaine Reformation.


Zum funfftenn
Mit der beholtzung sollen alle vberhaw vnd welde In Steten von Burgermaynster vnd Rathe. In den dorffern Schulthais vnd gericht gehandthabtt werden. das nit ain Jeder seines gefallens darinnen hawen wole. Sonnder von Jedes flecken Rath vnd gericht, lewtt aus der gemainde dartzu verordnen Wo alsdan die selbigen Zu hawen bescheid geben. Soll Inen bei gesetzter Straff gelebt vnd volg beschehen. Es soll awch bei gemelter straff kain viehe In kain vorhaw oder Jung holtz getrieben werden. Noch die beholtzung verwust oder abgehawen werden one bevelhe dero datzu geordent sind. Aber alles vnschedlich viehe mag sunst In allen welden der selben Marck gewaidet werden. Wo aber ain Fleck vff den andern triebt soll Ime Zugelassen werden Jedoch hinwider dem andern Flecken dergleichen hinwider zu treiben one widerred gegont sein.


Der sechst
Item dieser art. den Frondienst betreffennd pleibt bis vff erkantnus ainer furgenomenen reformation.


Zum Siebendenn.
Item derselbig art. die beschwerd der guter betreffen vnnd derselben Frondiensten so daruff geschlagen sind. sollen auc pleiben bis vff erkantnus ainer Reformation.


Zum Achten
Item derselbig art. Hoffgultt belangend. soll auch besten pleiben bis vff erkantnus ainer Reformation.


Der Newndtt.
Die beschwerung der straff berurend soll ain Jeder mitt recht vmb sein verschulden gestrafft werden wie von alter herkomen bis vff gemaine Reformation Alsdan Zu bessern Zu mindern vnd Zu meren.


Der Zehennd
Die Zugeaigenten wiesen vnd ecker betreffen sol hiezwuschen der reformation besten vnd Jeder von seinen Inhabenden gerechtigkaiten von Jedem Flecken In der reformation sein mengel furgetragen werden.


Der Aylfft.
Den todfall betreffenn. Soll lawt des art. von Jetzo an tod vnd ab sein vnd furohin niemants Zu geben nichts schuldig. Deßgleichen handtlon sol hietzwuschen der Reformation Zu weiter erkantnus hingelegt werden.


Der Zwolfft.
Die art. Zu merern vnd Zu mindern besatt vff seinem vorgesatzten Inhalt der xii art.



Ferner ist beschlossenn
Das kainer one beschaid blundern noch hnaus Zum hawffen Zu Ziehen vffmanen. wer aber das vbertrete soll mitt Leibsstraff furgenomen werden.


Item Zins gultten vnd schulden sollen hietzwuschen der Reformation menglichem one widerrede betzalt. geraicht vnd entricht werden.


Item an wiesen eckern garten vnd gwtern Weltlichen vnn gaistlichen oberkait Zugehorn. sollen behegt vnd von meniglichem wie bisher beschehen  vnschedlich gehalten werden vnnd sonderlich die guter so bisher den gaistlicehn Zustendig gewesen sollen von weltlcher oberkait Jedes flecken Zu getrewen handen genomen vnd beschirmpt werden.


Item kainer soll vnpillicher weis aus eigem freuel den andern er sei gaistlich oder weltlich belaidigen. Sonder er soll sich Jedes flecken rechtens benugen lassen vnnd ainen Jeden rechts begerenden Zu recht gericht vnd straff In alleweg verholffen werden.


Item Es sollen In allen Steten. Dorffern vnd Fleckenn ale vnterthanen Iren furgesatzten oberkaiten gehorsam sein auch sch kainer straff vmb verschullt sachen waigern. Wo aber von ainem oder mer vngehorsam erschiene sollen Rath vnd gericht alda Zimlicher vnd verschulter straff ainen Jeden anhaltten vnnd mitt den gehorsamen den muttwilligenn freuel werhenn Unnd ob sich Jemant dem gewaltt widersetzte. sich rottiertt. vnd dartzu hilff dethe. soll den hawbtlewten vund rethen des gantzen hellenn hawfens angetzaigt unnd von denselben mitt geburenden vnd ernstlichen leibsstraffenn gestrafft werdenn.


Daruff wir mitt ernst gebieten bei vnser straff meniglichen die vnser bruderschafften oder verainigung Zugethon sind, das sie sich dieser ordnung bis vff ferrer erklerung halttenn. ain Jeder Stat auch die dorffer vnd Fleckenn. die Ire verordennt Ambtlewt. Reth. Richter vnd Oberkait habenn. Durch die selben alle diese mengel vnd gebrechen mit ordnung straff vnd beschirmung In gehorsam halttenn Darbei wir sie auch handthaben wollenn. Darnach wisß sich ain Jeder zu richten. Gebenn vnd mitt unserm gemain Signet versiegeltt Zu Amorbach Freitag nach Inuentionis Crucis Anno 5. Mai 1525


(Abgedruckt sowohl bei Ferdinand Friedrich Oechsle: Beiträge zur Geschichte des Bauernkrieges in den schwäbisch-fränkischen Grenzlanden. Heilbronn 1830 als auch H. W. Bensen, Geschichte des Bauernkrieges in Ostfranken, 1840.)




Kommentar.

Anfang Mai 1525 werden auf Veranlassung von Götz von Berlichingen die zwölf Artikel des Neckartal-Odenwald Haufens von Hans Berlin überarbeitet und verwässert. Einige Artikel sollten ganz gestrichen oder bis zur künftigen Reichsreform ausgesetzt werden. Gülten, Zehnten usw. sollten weiterhin bezahlt werden, Jagd nur auf eigenem Grund ausgeübt werden. Auch die freie Waldnutzung wurde wieder abgeschafft. "Besonders wichtig sind die Punkte, welche als Zusätze die Erläuterung der zwölf Artikel beschließen:


1. Keiner solle ohne Bescheid plündern noch hinaus zum Haufen zu ziehen aufmahnen; bei Lebensstrafe.
2. Zinsen, Gülten und Schulden sollen ohne Widerrede bis zur Reichsreform gezahlt werden.
3. Alle Güter, welche weltlichen und geistlichen Obrigkeiten gehören, solle niemand beschädigen, und die weltliche Ordnung jedes Flecken die bisher den Geistlichen zuständigen Güter zu treuen Handen nehmen und beschirmen (d. h. sequestrieren).
4. Keiner solle aus eigenem Frevel unbilligerweise einen anderen, er sei geistlich oder weltlich, beleidigen, sondern jeder sich des Rechtes eines jeden Fleckens begnügen lassen.
5. In allen Städten, Dörfern und Flecken sollen alle Untertanen ihren vorgesetzten Obrigkeiten gehorsam sein, sich keiner Strafe um verschuldeter Sache weigern und Rat und Gericht mit den Gehorsamen dem mutwilligen Frevel wehren und ihn strafen. Wo sich jemand dawidersetze, sich rotiere oder dazu hälfe, der solle den Hauptleuten und Räten des hellen Haufens angezeigt werden, zu ernstlicher Leibesstrafe." (Wilhelm Zimmermann, Der große deutsche Bauernkrieg, S. 437)

Damit waren viele bäuerliche Forderungen geradezu in das Gegenteil verkehrt worden. Zuerst wurden die Artikel an die Gemeinden der Umgebung versandt. Diese schickten allerdings nach der Verlesung Boten an den Hellen Haufen, da sie dem Text nicht glauben wollten. Erst auf diesem Wege nahmen die Bauern des Haufens vom Text Kenntnis. Ein Sturm der Entrüstung brach los mit der Zerstörung der Wildenburg.









Die Üttinger 10 Artikel, verfaßt vom Üttinger Kilian Kleinhenz (Kleinhans) vermutlich mit Co-Autor Ortspfarrer Jörg / Georg Heuslein


Wohlgeborener, gnädiger Herr, ist unser fleissig bit an euer genadt unser anliegen und beschwernuss, gnediglich zu erheren und anemen durch was ursach wir bewegt sein worden zu solcher uffrure.


Item zum ersten ist kommen Hanns Gron und uns gebotten, es sei meines gnedigen Herren ernstliche Mahnung, das nur die mönche in Holzkirchen gedenken zu bezalen, wo das nit geschehe in drei Tagen, sol wol der Amtmann kommen und kue, kelber, Pferde nehmen und gen Laudenbach treibe under die ... und verkauffen, und wue er sie vertreiben kann und die mönche bezalen, und solen sie ... samt velten loß haben.


Item zum anderen ist kommen der schultes und hat die nachbarn zu hauff geleudt, und in fürgehalten, ob es sich begebe, daß wir erfordert wurden, von den Bischof zu Wirtzburgk oder Mentz sol mir in nicht zufallenn, sondern uff unser gnedigen Herr warten, der werdt bald bei uns sein. Danach saß der schultes uff, reitt zum thor hinaus, dadurch wir uns besorgten, wir wurden fürgewaltigt von euren gnadten, und draten zu hauff, und würdeen reden und sagen, wie das wir die jare ein mißjahre allen fruchten halten, jedoch über deselbig alles seine gnadt ein steuer an uns gefordert von den armen, die das brot im hauß nit zu esse haben wider alle billigkeit und gottliche recht, und über das alles will unns E. G. bezwingen, die manch zu bezahlen, ob wir mit unserenn kindernn betel solen gehn.


Item zum drittenn, so ein bidermann fun E. G. zihenn will under jemands herrschaft, sol er sich abkaufen und nachsteuer geben, wider alle billigkeit und gottliche recht.


Item so einer frauen der mann stirbt, wil E. G. das best haupt haben, hat sie ein gaul, wil der den gaul haben. Hat sie eine kue, wil der die kue haben. Das ist im himmel nit recht, noch in der hel, ich schweig uff erdenn.


Item man verbot uns die fisch im wasser, den vogel in der lufft, das wilt im walte und uff erdenn, das got erschaffen hat, unß allen zu gut zu einer notdurft, und nit einem alein.
Item so sein mir arme beschwert mit grossen schweren frondienst, welcher bei menschen gedächtnuss uff uns kommen ist, unnd noch täglich uffgeladen wurd.


Item so uns wurd unser weit verkaufft von E. G. underthanen, wider alle billigkeit, die doch vor got das seine, das die gütte sein.


Item so wirden wir täglich beschwert mit grossen unkosten und atzung wider alle billigkeit und gotliche satzung.


Item so hat uns unser schulteß etlich gemain recht ausgeben, unnd E. G. ein zins darauf geschlagenn, das doch billig einer gemein ist und dasselbig mit ferner gestattenn.


Item so hat E. Gn. uns einen reisigen knecht zu einem schulteiß geschickt, der lest sich täglich hören, es sei mer dan ein gericht oder gemain, unnd wil allezeit seines kopfes sein und red derbei, er wol keinen gedrau, unnd es sol ihm auch keiner gedrau. Vonn sein güter und sein weib genügen wir in nit zu dreiben.


(Zuerst abgedruckt in: Rolf Kern: Die Beteiligung Georgs II. von Wertheim und seiner Grafschaft am Bauernkrieg. In: Zeitschrift für Geschichte des Oberrheins. Bd. XVI. 1901; ein weiterer etwas sprachlich variierender Abdruck erfolgte in: Uettingen. Besiedlung, Heimatbuch, Chronik und Bilddokumente. Gemeinde Uettingen (Herausgeber). 2002)





Kommentar:

Die großen zwölf Artikel der Bauernhaufen erfahren teilweise kleinregionale Anpassungen, sie werden auf die konkrete Situation vorort geschrieben, auf lokale Problemlagen. So auch in den 10 Üttinger Artikel, die in der Grafschaft Wertheim verbreitet werden.

Üttinger Einwohner haben sich geweigert, Gülte, Zinsen, den Weinzehnt an das Kloster Holzkirchen zu entrichten. Das Kloster wandte sich an den Wertheimer Grafen. Dieser drohte den Üttinger, mit der Beschlagnahmung von Kühen, Pferden, Kälbern, um sie an Händler zu verkaufen. Ein typischer Konflikt zwischen Dorfbewohnern und Klöstern. Die Klöster sind wegen ihrer wirtschaftlichen Macht, ihren finanziellen Ansprüchen verhaßt und werden zu einem Zielpunkt im Bauernkrieg. Ein weiterer Zielpunkt der Beschwerdeartikel ist die Herrschaft. Dem Wertheimer Graf wird vorgeworfen, er erhebe Steuern, die von armen Einwohnern gar nicht geleistet werden können und sie in die völlige Armut der Bettelei treiben würde. Die Erhebung des Besthaupts war besonders verhaßt, also wenn der Ehemann starb, dass dann an die Herrschaft das beste Stück Vieh abgeliefert werden sollte. Beschwerdepunkt war auch die Zahlung einer Nachsteuer, eines Freikaufens, wenn ein Untertan aus der Grafschaft wegziehen wollte (z.B. zwecks Heirat). Solche Forderungen der Herrschaft werden als Verstoß gegen das göttliche Recht eingestuft, Und damit die Herrschaft ungöttlichen Verhaltens beschuldigt. Freier Zugang zum Fischen, Jagen wird gefordert. Frondienste, Schatzungsgelder sollen nicht mehr geleistet werden. Ein lokaler Artikel ist die Beschwerde darüber, dass Gemeindegüter wie eine Weide unberechtigt von der Herrschaft, von Amtspersonen verkauft wurden. Auch das Verhalten von Amtsleuten, das im Dorf als ungebührlich verstanden wird, ist Gegenstand eines Beschwerdeartikels. Ein Artikel bezieht sich auf den aktuellen Aufstand, die Aufforderung durch die beiden großen Bauernhaufen, die sich gegen Mainz bzw. Würzburg richten. Das aktuelle Verhalten des Grafens seit den Unruhen gegenüber seinen Untertanen wird als bedrohlich empfunden, als möglich gewalttätiges. Die Üttinger Artikel verbleiben im Bäuerlichen, stecken im dörflichen Alltag, nehmen zwar Bezug auf das göttliche Recht, das aber auf Erden angewandt wird. Es wird keine evangelische Reformation gefordert, auch keine freie Wahl der Priester. Es ist ein Programm des konkreten Jetzt, der sofortigen Umsetzbarkeit. Nicht weit weg, sondern hier, im Dorf, auf Feld und Acker anwendbar. Es spricht die Sprache des gemeinen Mannes, des Allgemeinen. Die Üttinger Artikel waren ein Sofortprogramm, ein Verhandlungs- und Handlungsangebot an den Wertheimer Grafen. Der Bauernkrieg wurde erst durch das verweigernde, hinhaltende, betrügerische, falsche Verhalten der Herrschaften zum Bauernkrieg. Peter Blickle hat in seinem Buch Der Bauernjörg geistreich gedeutet, dass der Truchseß selbst den Bauernkrieg erklärt habe, nicht die Bauern. Die Gewalt ging zuerst von den Herrschenden aus. Die Bauern-Bürger wollten zuerst Verhandlungen, Handlungen, klare Veränderungen der Verhältnisse, die als falsch empfunden wurden, als anti-göttlich, unchristlich, als reformationsbedürftig. Erst als die pragmatische Veränderung der schief geratenen Verhältnisse durch die meisten Herrschenden ausblieb, brachten die Bürger-Bauern die Verhältnisse zum Tanzen, wurden ihre Forderungen, ihr Verhalten radikal und revolutionär. Da wurden viele Herrschenden vom Thron gefegt, Klöster entkirchlicht, Burgen flach gelegt.

Sehr schön, dass auf der Homepage von www.uettingen.de an diese 10 Artikel erinnert wird: http://www.uettingen.de/Bartholomaeuskirche.n223.html
"Episode: Bauernkrieg in Uettingen
Einer der Rädelsführer in der Grafschaft war der Uettinger Kilian Kleinhans, der sich selbst bezeichnete als „er sei der, der so am meisten Zins und Gült gäb und sehr beschwert sei". Er verfaßte die „10 Uettinger Artikel" ( der Pfarrer von Uettingen Jörg Heuslein soll an der Abfassung beteiligt gewesen sein), ein Anklang an die „12 Artikel" von Oberschwaben, aber mit Lokalkolerit: Beschwerde im Mißerntejahr über die Abgaben und den Hochmut des gräflichen Schultheißen, Klage wegen Jagdverbot und Frondienst, Ablehnung der Leibeigenschaft. Diese Artikel berufen sich gegenüber dem Grafen auf göttliches Recht. Luthers Schrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen" machte erst die Unfreiheit bewußt. Nach Niederschlagung des Bauernaufstandes holte sich der Graf die meisten Gefangenen aus Uettingen ( 12, mit Kleinhans und Heuslein). Außerdem mußte Uettingen die Höchststrafe von 1 200 Gulden zahlen."

Auch in Üttingen war also der örtliche Pfarrer Mitwirkender bei der Verfassung der Artikel, wie in so vielen Regionen. Einer der Schreiben konnte und die Bibel lesen. Vor allem die von Luther neu übersetzte. Wenn also der Pfarrer Jörg oder Georg Heuslein schon am "Aufruhr" beteiligt war, bestand auch kein besonderer Grund, die Artikel dahin zu definieren, dass die Gemeinde das Recht haben sollte, die Bestellung bzw. Abberufung des Pfarrers eigenständig durchzuführen. Der richtige Pfarrer war schon vorort, an der wichtigen Stelle und konnte das Wort Gottes ohne menschliche Zusätze der Dorfgemeinde verkünden. Die Üttinger 10 Artikel konnten also auf das aktuell notwendige, auf kleine Schritte reduziert werden, die aktuell anlagen und auch direkt umgesetzt werden konnten. Die Üttinger 10 Artikel mögen einen lokalen, kleinregionalen Rahmen haben, aber sie sind gegenüber den bekannten 12 Artikel nicht weniger wichtig, wenn auch weit weniger bekannt.

Dem Pfarrer Jörg / Georg Heuslein, aus dem benachbarten Remlingen stammend, auch einem guten Aufruhrort, drohte zwar nach dem Bauernkrieg die Gefangenschaft durch den Wertheimer Grafen. Ein Hinrichtungstod durch Köpfung wie so vielen anderen Pfarrern blieb ihm erspart, denn er war bis 1529 Pfarrer in Üttingen.








Ein Übersetzungsversuch der Memminger 12 Artikel in heutiges Deutsch findet sich auf Wikipedia








Wendel Hipler Reichsreformations-Entwurf Mai 1525 Heilbronn

1.
Alle Geweihten, hohen und niederen Standes und Namens, werden reformiert und erhalten ziemliche Notdurft, ihre Güter fallen zu gemeinem Nutzen.
2.
Alle weltlichen Herren werden reformiert, damit der arme Mann nicht über christliche Freiheit von ihnen beschwert werde. Gleiches schleuniges Recht dem Höchsten wie dem Geringsten. Fürsten und Edle sollen die Armen schützen und sich brüderlich halten gegen ein ehrliches Einkommen.
3.
Alle Städte und Gemeinden werden zu göttlichen und natürlichen Rechten nach christlicher Freiheit reformiert. Keine alte oder neue menschliche Erdichtung mehr. Alle Bodenzinse sind ablösbar.
4.
Kein Doktor römischen Rechts kann zu einem Gericht oder in eines Fürsten Rats zugelassen werden. Nur drei Doktoren des Kaiserlichen Rechts auf jeder Universität, um sie in vorkommenden Fällen um ihren Rat zu befragen.
5.
Kein Geweihter, hohen oder niederen Standes, kann in des Reiches Rat sitzen oder als anderer Fürsten und Kommunen Rat gebraucht werden; keiner kann ein weltliches Amt bekleiden.
6.
Alles weltliche Recht im Reich, das bisher gebraucht wurde, ist ab und tot, und es gilt das göttliche und natürliche Recht, damit der arme Mann soviel Zugang zum Recht habe als der Oberste und Reichste. Es sind 64 Freigerichte im Reich und Beisitzern aus allen Ständen, auch aus dem Bauernstand, 16 Landgerichte, 4 Hofgerichte, ein kaiserliches Kammergericht deutscher Nation, auch diese mit Beisitzern aus allen vier Ständen. Von jedem Gericht ist Appellation an das andere.
7.
Alle Zölle, alle Geleite hören auf, außer den Zöllen, die zu Brücken, Wegen und Stegen nötig sind.
8.
Alle Straßen sind frei, alles Ungeld (Accise) ist ab.
9.
Keine Steuer, als alle zehn Jahre einmal die Kaisersteuer (Matth. 22).
10.
Nur eine Münze in teutscher Nation.
11.
Gleiches Maß und Gewicht überall.
12.
Beschränkung des Wuchers der großen Wechselhäuser, die alles Geld in ihre Hände ziehen und Arm und Reich ihres Gefallens beschätzen und beschweren.
13.
Freiheit des Adels von jedem geistlichen Lehenverband.
14.
Aufhebung aller Bündnisse der Fürsten, Herren und Städte: überall nur Schirm und Schutz des Kaisers.








Einladungsbrief Wendel Hipler im Namen des Neckartal-Odenwald-Haufens an die aufständischen Bauernhaufen mit "Instructionen", also Vorschlägen, was auf einem gemeinsamen Ratschlagtag in Heilbronn von den Abgeordneten der jeweiligen Bauernhaufen besprochen werden sollte:



Nachvolgend sachen sind zu Hailpron zu bedenken und zu betrachten.
Der anfang dits furnemens, wie das ergangen ist bis uf disen tag, hat sein gestalt.
In dem mitel ist man itzund begriffen.

Und sollen die geschickten aller haufen ainander erzelen, welcher gestalt ain ieder die eroberten flecken, stet, sloss und dorfere gehalten und ufgenomen hab, mit was geding.
Daruf zu ratschlagen, was hinfurt darin zu verbesseren sey, ob von ainigem hauffen ichts ferner erobert wurde.

Item ain ieder hauf solle dem anderen sein ordnung im velde und die darzu verfast artickel, auch andere ordnung eroffen und furlegen, sich derselben auch zu vergleichen und zu bessern.

Item darvon zu reden, was iedem hauffen widerstands geschehe oder ob hilf von nötten sey.
Sonderlich, so diser Otenwäldisch hauf den stift Wirtzburg erobert, das ir furnemen ferner mit der hilf gottes nit stehe, dann uf Swebischen Hall. dergleichen sollen die anderen hauffen auch erzelen, ob si ferner zu ziehen willens sind oder stil zu sitzen.

Item ob not thun des beystands wider den bund zu Swaben, welcher hauff und mit was massen er darwider helfen solle.

Item was gegen Pfalz, Brandenburg und Baden furgenomen werden solle mit gutlicher ervorderung oder zum ernst.

Ob man etwas trostes suchen wölle bey auslendigen fursten, als Sachsen etc. die mer milterung haben gein dem armen man, dann andere fursten.

Item ob man gegen den stiften Trier und Coln mit der strenckhait handlen wolle, wie gegen Maintz und Wirtzburg und zu den mit gemainem hauffen ziehen.

Item, ob got so vil glucks gebe, das dise haufen zum tail geringert und der gemain man an sein arbait gewisen werden solle, das man dannoch ain versamlet volk in diser landsart behalten und verordnen solle, und were dan hauptman und rathe pleyben sollen, die uf alle anfelle und geprechen ain ufsehen tragen, auch mitler zeit ordnung, frid und recht unter uns selbst hanthaben, darzu, so hilf not thet, dasselb zu verwalten.

Item ob der kaiser ain fremd nation pringen oder sunst sich fursten bewerben wurden, was dargegen zu thun were.

Item wie und welche masen man sich gegen dem kayser verantworten oder ob man ime zuvor schreyben wölle.

Item wie und welcher masen oder gestalt man den fremden adel in anderen landen herzu in dise verainigung bringen wölle.

Item ob es ain mainung were, was weltlich fursten, herren vom adel an zehenden, an ungelten, hantlonen nachlasen, das inen solchs von den gaistlichen gutteren erstattet werden solte, doch nit uberflussig, sonder nach erkentnus dero, die darzu verordent werden, uf genugsam erkundigung.

Darbey das fursten, herren, die vom adel sampt den unterthanen ain glaichen redlichen austrag rechtens hetten, sich nyemant kainer freyhait geprauche, sonder dem armen als dem reichen.

Zum ende, das man ainig werde zeit und stat zur reformation.

Item wer zur reformation ervordert und verordent werden, gelert, burger oder bauren, und wie viel.

Item das den fursten, herren und edlen zugelasen werde, ain anzal räthe zu verordnen, die widerparthei halten.

Item were die sind, die von gemains mans wegen alle notturftige geprechen furtragen sollen, damit aus beder tail furtrag die verordenten menner die reformation nach billichen dingen verfassen mögen zu gutter ordnung. doch das in alle weg die beschwerung abseyen.

Item wie, von wem und welcher masen der chosten mit den geordenten mannen und den, die den furtrag thun sollen, erhalten werden.







Rundbrief des Neckartal-Odenwald-Haufens an den Adel und Reichsstädte zur Erläuterung und Praxis der bäuerlichen Artikel und Beschwerden, verfaßt von Fridrich Weygant, Keller von Miltenberg


Unser unterthenig und willig dienst alzeit zuvoran berait. man hat das wort gottes, damit wir armen gespeist werden sollen, lang zeit verhalten. es haben auch fursten, gaistlich und weltlich, gross gewalte, dasselbig mit verbot und harter straf getruckt. darzu ist laider ganz offenbar, wie die armen leut nit allain verachtet, sonder lang zeit mir grossen unträglichen neuerungen, beschwerden und ufsatzung nach allem vortail erschopft sind und wissen des kain ende, und mogen nit erkennen, das gaistlich und weltlich fursten vil jare in grosser verschwendung der zeit und der narung nie nichts ausgericht, dan uns dem teuffel uf den swanz gebunden, dergleichen von gaistlichen bey haidischen tyrannen nie erhöret ist, darumb wir aus grosser, unaussprechenlicher anligen in versamlung bewegt; wolten (wiss gott der almechtig) des geren uberig und in rechter gehorsame unserer weltlichen obrickait sein und stehn, besorgen aber von grossen fursten und herren wenig erhöret zu werden. haben doch unser anligend notturft, wiewol der vil mehr sind, verfasset, und, dieweyl wir unter gemainem adel und stetten dannoch vill christlicher lieb und treu, auch des gotsworts furderung verstanden haben, so schicken wir euch unser anligend beschwerden, bittend in aller unterthenickait, durch gots christlicher und bruderlicher lieb willen: wollet der armen gross beschwerde, die alle in schriften nit verfast aber durch euren verstand woll ermessen werden mogen, und sonderlich dise ausgetruckte, die, als wir hoffen, zu ablegung aller beschwerden uns armen nit allain, sondern den gemainen stetten und adel nutzlich, christlich und furtreglich, darzu weltlichen fursten und obrickaiten nit schedlich sein sollen, erwegen, uns in dem rath und furderung zu ervolgung bessers stands und gemains nutz gegen des reichs loblichen regiment, auch fursten und herren, unsern obrickaiten, erschlieslich sein, gnedig, christlich, auch freuntlich unterhandlung unterfahen, euch von uns nit abwenden und des ainen furderlichen verstand in N. tagen uns geben, wollen wir geren aller christlichen gehorsame und billickait uns weysen lasen. aber in solcher irrung und zwaiung der geprechlickait lenger zu verharren, ist uns ie nit gemaint. das versteht nach unser notturft.


Diese Beschwerdeartikel wurden dem Rundbrief beigefügt:


Item das wort got unverhindert predigen und sagen lasen und alles abgethan on das wort gots, das bishere durch die vermaint gaistlichkeit verbotten worden ist.


Alle gaistliche heusere sollen zu gemainen nutz gebraucht werden.


Kain betler solle sein, soder alle notturftige christen mit wissen versorgt werden.


Allen gaistlichen, itzo lebend, sollen irer pfrunden nutzung ir lebenlang pleiben oder mit leibsnarung versehen werden, doch kainer uber 100 gulden und ein bischove nit uber 1000 gulden haben, das uberig alles sampt der kirchen schetz und clainet zu der hant thun und hernach an weltlich obrickait und gemainen nutz gewent werden.


Das uns ytzo und hinfuro gaistlich diener und vorgeher nach dem wort gots gesetzt und gegeben werden.


Das uns in gehorsame kayserlicher majestät und weltlicher obrickait, darin wir geren sein wöllen, gleich, unverlengt, austreglich recht verordent werde, darin fursten, herren, stette und edelleut in derselben grenitz, auch gemaine flecken partheyisch sachen darzu der armen leut appellationsachen gerechtvertigt werden; dieselben landgericht, auch kaiserlich camergericht nit pompisch, stolzirlich, spatziglich oder zerlich, sonder mit vleyssigen leuten besetzt und gehalten, damit den armen chost und verlengerung abgelegt werde.


Das die geordenten landgericht, auch camergericht iedes ain aigen fiscal haben, dem gewaltsam und unrecht sachen, die wider kaiserliche satzung, von den armen furbracht und von amptswegen gestrafft werden.


Das auch jedes orts ain hauptmann mit etlichen vom adel nach gelegenhait geordent sein, die kaiserlich recht derselben gegend fridenschirm halten, urtail volstrecken und daneben uf kaiser, fursten und des reichs anligend geschefte warte. das alles mag von gaistlichen gutteren wol erhalten werden und dardurch gemainer adel auch erhalten, aber bauren und fuesvolk zur arbait gewisen werden.


Wir wollen auch fursten, herren, stetten und edlen al ire erbliche recht, grosse zehend, gult, zins und dienstbarkait verfolgen, bitten aber einsehens zu tragen und abzulegen klaine zehend.

Zoll ab, doch zu enthaltung weg, steg und brucken soll die notturft mit masen angelegt werden.

Das alle leybaigenschaft absein.

Das wilthret und vögel einem yeden uf einem ertrich frey sein. were das halten oder hegen will, thue es dem anderen on schaden.

Auch alle fliessende wasser frey sein. aber was erbrecht oder zinsbar were, soll bleyben idem wie herkomen.

Das alle beschwerden ungelts und ufsatzung weins, getraids, flaischs und essender ding in stetten und dorferen absein.

Das hauptrecht absein, aber handlon mit messigung gegeben werden.

Das alle zenten und sonderbuntnus absein.

Das den weltlichen fursten, herren, stetten und edlen gegen dem abgang irer zoll, ungelt und schatzung von den gaistlichen gutteren ain zimlich widerlag gesche, doch erhaltung gemaines rechten, der reichssachen und ordnung darvor versehen.

Das der kaufleut geselschaft und fuckereyen abgethan werden.

Das ain gemaine munz, wie die reichsordnung itzo von neuem begriffen, ufgericht werde.

Das alle mass, meess und gewicht in gleicheit aller land brach und gestalt werden.

Und das alles, was daraus fleust oder sunst zu christlicher ordnung und enthaltung nutz und not sein mag, zu verfassen, bitten wir zu furderlicher unverlengter handlung zu stellen uf des reychs geordent regiment, dazur uf 12 vom adel, 12 von reichstetten, 12 von gemainem volk und 7 christlich lerer oder prediger, und das die bey trauen und aiden nit von ainander tretten, sie haben da durch das merer alle stucke beschlossen.

Item das leute verordent werden, die des reichs und christlich sachen hinfurt handlen und volstrecken, nit mit pompey, grosser zerung und verlengerung, wie bishere bescheben, on alle fruchtbarkait.

(Aus: Fries: Geschichte des Bauernkrieges in Ostfranken, Band 1, Seite 441 - 443)






Schreiben von Fridrich Weygant an Wendel Hipler 18. Mai 1525


Gnad und frid in Christo sampt meinen willigen diensten und allem gutten sey euch allzeit zuvor. gunstiger, lieber freund und bruder. ich hab euch jungst etlich artickel in schriften zugeschickt, die dem armen gemainen volk, als burgern und bauren, zu erledigung eingefurts bezwangs, erdichter, menschlicher, aigennutziger beschwerden, zu christlicher, bruderlicher freihait nutz, not und dienstlich. aber ich besorg, es sey und wert noch zur zeit beschwerlich, solchs derselben gestalt anzufaben, es were dan sach, das got sein gnad dem armen christlichen volk zu erlösung verlihe, wie den kindern von Israel, so mogt alles, wie ich euch im besten nachvolgender mainung mit hilf gotts, darumb wir täglich ruffen und bitten sollen, zu guttem ende und gotlicher reformation nach vermog meiner vor uberschickten artickel komen und darnach die ufgericht reformation zu christlichen gemainen landfriden ewiglich bleyben. darumb so ist von notten, das zuvorderst alle gaistlich fursten und die iren in gemainer haufen der burger und bauren buntnus und ainigung getriben und gebracht wurden uf die zwolf artickel, wie dan der erzstift Maintz ist und stehet, desgleichen andere stifte mehr in unser buntnus, wie ich höre sagen bracht worden, sein, als der stift Wirtzburg, ausgeschieden allain das sloss zu Wirtzburg noch in widerwere stehet. wa nun die gerechtickait und das wort gots gebraucht, so mag dernselben nyemant widerstehn. darumb so ist diser angefangener krieg und streit, der zu evangelischer, gotlicher reformation genent und furgenomen, dergestalt zu bedenken, damit die hilft und gnad gottes zum sig nit abweich, das gemainer nutz aller fromen christenbruder mer, dan der geytz und aigner nutz und daneben, das wider die gebot gotts von rums oder geyts wegen nit gehandelt, zum fordersten betracht werde. darumb so were mein gutbedunken, wa die inhabere des schloss Wirtzburg sich mit leidlicher form und mas begeben, das die angenomen und vergiesung christlichs bluts verschont, auch die zeit ob solchem schloss zu nachtail christlicher bruderschaft nit verseumbt wurde; dan dieweil herzog Fridrich von Sachsen, der ain vater aller evangelischen gewest ist, todts verschieden, so ist maines erachtens ain grosser trost unsers tails gefallen. darumb were von notten, das Coln, Trier und andere gaistliche fursten mehr ufs furderlichst ersucht und auch zu haltung der zwolf artickel in buntnus bracht werden, zuvor und ehe sie sich mit den weltlichen fursten rotierten und frembde nation uberkemen und zu inen brächten zu nachtail christlicher bruder. es were auch gut, das kayserlicher majestät geschriben und angezaigt wurde, das diese handlung anders nit, dan zu christlicher, gotlicher und billicher reformation und gehorsame der fursten von des hayligen Römischen reichs wegen furgenomen, angesehen, das sein majestät und derselben voreltern als Romische Hauptere in baiden angezaigten stucken, was sie zum besten furgenomen, wenig volg oder schir gar kaine gehabt etc. damit so mogt sein majestät ufgehalten werden der rache und gegenwehre. und so alsdan die gaistlichen fursten alle in dise buntnus der 12 artickel gebracht, so musten, als von notten, die weltlichen fursten, graven, herren und ritterschaft auch in dise verainigung zur reformation beschriben und ervordert werden; welche sich dan bruderlich ergeben, das die ou weiter beschwerd gutwillig angenomen, uf gnugsam versicherung uf die artickel und reformation. wan dan alle fursten, graven, herren und von der riterschaft zu der reformation gnugsam verfast, so must es bey den reichstetten auch beschehen. die wurden sich meines erachtens nit hoch widersetzen. das were disem anfang ain end gemacht, dan one das, so wurt kain frid oder ruhe pleyben oder zu erhalten sein, und wurt furter aus disem end und beschluss ain neuer anfang wurzeln und volgen. das were die reformation. so dan alle fursten, graven, ritterschaft und stette des reichs in die reformation verfast, so were von notten, das frembd, redlich, hochgelert und geschickt person zur erformation erwelt und an gelegen malstat ervordert wurden. vor denen must man die artickel, so ich euch jüngst zugeschickt, sampt allem dem, das besser und mer von notten were, brauchen und mit vleys furtragen; wurden ungezweyvelt derselben artickel aus gotlichem und naturlichem rechten vill oder si alle confirmirt und bestettigt. das were dem anderen anfang ain mittel gemacht. und solch mittel trug das end uf seim rücken; dann welcher furst oder herr das nit halten, sein brief und sigil vergessen und brechen, den wurt sonder zweyvel sein aigen volk totschlagen, und sessen die anderen brudere in fride und ruhe. dergestalt were die sach zu gutem ende bracht und blib ewiger frid und furderlich recht dem armen, als dem reichen, so weit als Teutsche nation un das ganz Romisch reych grenitzen und raichen ist. das hab ich euch, bruder, gutter mainung unverhalten wollen lassen, do uf eur und eur mitbruder verbesserung. go verleyhe sein hilf und gnad darzu. amen. datum Miltenberg uf donerstag nach Cantate [Mai 18] annot et.c [15]25, Fridrich Weygant keller etc.


(Aus: Fries: Geschichte des Bauernkrieges in Ostfranken, Band 1, Seite 432 - 433)







Vorschläge von Fridrich Weygant zur neuen Ordnung und Reformation (auszugsweise)


Item welcher gestalt ain ordnung oder reformation zu nutz und fromen aller christenbrudere zu begreyffen und ufzurichten sey:


Am e r s t e n alle geweichten, wie got Mathei am 28. inen bevolhen und gebotten, reformirt und nach zimlicher notturft erhalten wurden, unangesehen ire geburt und herkomen, hohen oder nideren stands.
Uber disen Artikel sein vier declaration:
Die erst betrift die grosen Hansen, als bischove, pröbst, dechant, verthunherren und ires gleichen.
Item das alle regelspersone, als: monchen, nonnen, nolharten, chorherren und adere ires gleichen, so in gaistlichen schein reyssende wolf erkent, wie am tag ligt, sollen reformirt werden, wie got gebotten und Genesis, auch Mathei am 19. geschriben steet.
Item das ain jede gemainde sich gutter hirten, die allain die schäfflin mit dem wort gottes, in der schrift gegrunt, wayden, befleysse, die zu setzen und zu entsetzen hab.
Item das alle priester oder erwelte persone in gottes dienst den mensch vorgehn sollen, wie Christus, unser erlöser, thun hat. die sollen auch ehrlich und solcher gestalt unterhalten, das mit dem uberfluss alle notturftige menschen und der gemain nutz bedacht werden.

Zum a n d e r n [z w e i t e n] sollen alle weltlich fursten, graven, herren, ritter und edeln auch reformirt, damit der arm man uber christlich freyhait nit so hoch von inen beschwerd werde.
Uber disen artickel sein auch vier declaration:
Erstlich das den nideren gegen den fursten und herren, den armen gegen den reichen gleichs rechtens schleunig und austreglich verholfen werden.
Item das alle von fursten an bis uf die edelen, so vom hailigen reich und derselben verwanten belehent sein, ehrlich, ain ieder nach seiner geburt, versehen werden. dagegen sollen sie dem hayligen Romischen reich getreulich vorsein, die gehorsamen, fromen, witwen und waisen schirmen und die ungehorsamen und bösen straffen.
Item das alle lehenleut ainem Romischen kayser, wie in der schrift gegrundet, uber andere ihre lehenherren als weltlich fursten des reichs zu christlichem frid und merung des reichs erlich und redlich, auch die armen unterhanen on weiter beschwerde schutzen, schirmen und allermeniglich zu recht hilflich und rätlich sein, uf das sich nyemant rechtlos beclag.
Item das alle fursten, graven, rittere, edlen und knechte, so vom reich oder desselben fursten belehent sein oder nit, sich gotlich, christlich, bruderlich und erlich halten, das neyemant durch si unbillicher weys beschwert. sollen auch das gotlich wort und recht vor allem gewalt getreulich nach allem irem vermogen helfen schutzen, schirmen und hanthaben, damit das mit gewalt nit zerstört werde, wie hievor beschehen.


Zum t r i t t e n sollen alle stette, communen und gemainde im hailigen reich, nymant ausgenomen, zu gotlichem, naturlichem rechten nach christlicher freyhait reformirt und bestettigt werden.
Item dawider solle nymant alt oder new erdichtung einfuren, dadurch der aigennutz vertruckt, sonder dem armen als dem reichen geholfen, auch bruderlich ainickait erhalten werde.
Item das alle bodenzins allweg ain pfennig mit 20 mog abgelöst werden.
Item das den kaufleuten sichere wanderung gehalten und ain ordnung, wie sie yede ware geben sollen, sich ime kauf darnach zu richen, gemacht, damit gemainer nutz gefurdert und gemeret werde.


Zum v i e r t e n sollen alle doctores, gaistlich oder weltlich, in kains fursten rathe, auch an kain gericht zu sitzen, zu reden, zu rathen oder zu handlen erlitten, sonder ganz abgethan werden, uf das dieselbigen sich von menschen gesätzen uf die gotlich schrift ergeben und als geschickte persone zu predigen beruffen werden; dan vill person durch ire auszug verderbt werden.
Zu declaration dits vierten artickels:
Und damit dannoch das kayserlich recht unvertruckt pleybe, so sollen uf ieder hohenschule oder universitet, die bey dem reich zugelassen, doctores der kayserlichen rechten erhalten und verlegt werden und, so rathe durch fursten oder andere gericht bey inen gesucht, den samenthaft in monatsfrist getreuen rath, im rechten gegrundt, mittailen, damit ainem ieden ufs furderlichst verholfen werde.
Item, dieweil die doctores nit erbdiener des rechtens, sonder bestelt knecht, die umb ires aigennutz willen lang ufhalten und langsam zu end rathen oder dienen, so sollen si an kainem gericht sitzen, urtail zu machen oder auszusprechen.
Item, dieweyl offentlich am tag, das zu mermal zwo partheien durch die doctores zehen jare, auch mer und minder, durch aigens nutz willen umbgefurt werden, derhalben si stiffvätter und nit rechte erben mogen genennent werden, darumb sollen si alle in kainem ericht gebraucht oder gelasen werden.
Item, ob aber ain herschaft oder stat ain oder mehr doctores haben wolte, so solle derselb in kain rathe gesetzt, sonder allain in ratschlegen gebraucht werden. darin ist den ratschlägern gnad, vernunft und weyshait zu messigung des rats dannoch vorbehalten, zu meren, zu mindern oder pleyben zu lassen, wie dan got ainem yeden gerechten verhaisen hat, die gerechtigkait erkennen zu leren.


Zum  f u n f t e n   were gut, das kain geweichter, er were hochs oder niders stands, in den reichsrathe oder anderen der weltlichen fursten, herren oder communen rath gezogen oder gepraucht werden, dann inen solchs verbotten, wie in der schrift clar gegrundet ist.
Ursach:
dan sie werden durch der welt weyshait und gebrauch verfinstert im gaist gotts, auch träg und verseümen den dinst gotts. und zum hochsten were zu besorgen, die weltlich ehr wurt si verfuren, das sie dardurch die gnad gottes, ob sie die hetten, auch verluren.
Item das auch kain geweichter oder gesalbter in kain weltlich ampt gesetzt, genutzt oder gebraucht, dan weltlich ehr verhindert si am dienst gotts, wie dann offentlich am tag ligt.
Item das kain geweichter oder gesalbter in kain gericht oder weltlich sachen gezogen oder genomen werde, dan dadurch sein sie zu herren und die weltlichen von hohen und nidern stenden zu knechten worden. es sein auch edel und unedel durch die monchen ausgesogen und zu gesten ires guts gemacht, das billicher uf sie, dann uf die munch geerbt solt haben.
Item der bischove von Maintz hat uf nechst Nativitatis Marie [Sept. 8] mit allen suffraganien und bischoven, unter den erzstift Maintz gehorig, der 12 sind, zu Aschaffenburg ain versamlung ir und ander papisten und doctores gehabt und rath gehalten; es ist aber nie kain weltlicher in den rathe gevordert worden. sie aber sind in allen weltlichen räthen die furnemisten (furmemisten) und obristen gewesen, dardurch bishere durch ire list und betriglickait meniglich oder vill zu verderbnus leyb, sel und guts bracht und verfurt; dan, was uns sund, ist inen recht gewesen und, was inen unrecht und verbotten, als eheweyber zu nemen, ist uns recht gewesen.


Zum  s e c h s t e n  were gut, das alle weltlich recht im reich, so bisher gepraucht, abgethan und nidergelegt wurden und das gotlich und naturlich recht, wie hievor und darnach vermerkt, ufgericht wurt. damit hette der arm so vil zugangs im rechten, als der obrist und reychst, als wan das kayserlich chamergericht im hailigen reich Teutscher nation besetzt wurt mit 16 tapfern, erbaren, unverleumbten mannen, nemlich zwen von fursten, zwen von graven und herren, zwen von der ritterschaft, trey von den stetten des reichs, trey von aller fursten stette im reich und vier von allen communen im reich. die sollen ain chamergericht im reich von graven oder herren zu erwelen haben. und aus solchen 16 personen solle clager oder antworter ir ieder ain redner und ain rathgeber erwelen und nemen, in iren sachen zu handlen. und die persone, so an solch chamergericht genomen, sollen uf das wenigst hievor zehen jare zu gericht gesessen und gebraucht worden sein.
Item nach dem chamergericht sollen im hailigen reich, wie fur gut angesehen, vier hofgericht sein, auch mit 16 personen ain yedes hofgericht besetzt, nemlich von fursten, graven und herren trey, von ritter und knechten trey, die reichstet trey, der fursten stette trey, von allen communen und gemaindem im raich vier. die sollen auch alle samenthaft ainen herren zu irem hofrichter erwelen; aus den sollen die partheyen obgeschribner masen redner und rathgeber nemen. und solch personen sollen erbar und vor zu rahte und gerichte gesessen sein.
Item unter den vier hofgerichten aollen sein 16 landgericht, ye vier ainem hofgericht unterworffen und iedes mit 16 personen besetzt, nemlich vier von fursten, graven und herren, vier von rittern und knechten, vier von allen stetten und vier von allen communen, der iedes ain rittermessigen man zu ainem richter setzen und erwelen; die sollen es obgeschribener mas halten.
Item unter den 16 landgerichten sollen sein 64 freyer gericht, ie vier ainem landgericht unterworffen und auch mit 16 personen besetzt werden, nemlich vier von den stetten des reichs, vier vom adel, vier von stetten der fursten und vier von allen communen. der solle iglichs ain vom adel zu einem freyen richter erwelen und vorgeschribener mass gehalten werden, doch unschedlich den statgericht und gemainen landschaften.
Item von stat- und dorfgerichten mag appellirt werden an das nechst freygericht, doch unter 10 gulden nit, es betreff dann ehr oder erbtail.
Item vom freygericht mag appellirt werden an das nechst landgericht, doch unter 100 gulden nit.
Item vom landgericht mag appellirt werden an das nechst hoffgericht, doch unter 1000 gulden nit.
Item vom hoffgericht mag appellirt werden an das camergericht, doch unter 10.000 gulden nit.


Zum  s i e b e n t e n  were gut, das alle zolle, glaitt, ungelt, uflag, steur und beschwerung, so bishere allenthalb iren furgang gehabt, abgethan wurden, ausgenommen, was zur notturft erkant wurt, damit der aigennutz den gemainen nit beschwere. Ursach: es sein vill zolle bey gaistlichen und weltlichen fursten, graven, herren und rittern, edlen, prelaten, monchen und stetten ufkomen, dardurch alle kaufmanshändel beschwert und der gemain man alle pfeningwert desto theurer kauffen und niesen muss.
Item die notturftigen zolle zu enthaltung gemaines nutzs, zu brucken, wegen und stegen sollen gegeben und, wes uberscheust, zu gemainem nutz hinterlegt werden.


Item es were zum  a c h t e n   gut, das alle strassen in Teutscher nation frey und unbezwungen gehalten wurden, on allen lebendigen gewalt oder glaitt, nichts ausgenomen, dann die fursten und herren tragen die der gestalt vom Romischen reich zu lehen.
Und in welches fursten oder herren gebiet yemant beschedigt oder das sein genommen wurt, das der furst order herr ime dasselbig genzlich bezalen und ablegen muste.
Item all ungelt von wein, bir und met solle abgethan werden, es werde dan aus merklichen ursachen zum tail etwas zugelasen.


Item zum  n e u n t e n  wäre gut, das steur, betlosung oder ander neuerung abgethan werden; ausgeschaiden: dem Romischen kaiser solle sein steur, die in zehen jaren ain mal kompt, vorbehalten sein, als got Matthei am 22. bestettigt hat.


Zum  z e h e n d e n  sollen alle munz von golt und silber gebrecht sein und in ain korn und gewicht gracht werden, doch einem ieden an seinen freyhaiten und rechten unentgolten.
Und das alle berkwerk frey gemacht werden, es se vo gold, silber, quecksilber, kupfer, bley oder anders, nichts ausgenomen. darzu ervordert die notturft, das alle erfindung golds, silbers, pleys und kupfers durch des reichs camer angenommen, mit stettem kauf verfast und in wechsel geantwort. gold und silber hat sein weg; was aber von kupfer funden wurt, das silber helt, solle man nit saigern, sonder demselben silber zusetzen, damit man ortlich, heller oder ander munz machen konne; dan, so man das mit dem bley abtreybt, findet sich das silber selbst on sonder muhe.
...

Zum a i l f t e n solle der gross nachtail der armen in kauffen und verkauffen bedacht werden und im hailigen Romischen reich ain mass, ain ele, ain fuder, gleich gewicht, ain lenge der thucher und parchet und aller ander ware ufgericht und gemacht werden. daraus volgen, das alle specerey und anders, so mit dem zenter verkauft, ain gleich gewicht haben wurt.
Item was von golde, silber, berlin oder dergleichen erkauft oder verkaufft wurt, solle mit clainem gewicht, wie vormals, gewert werden.
Item das weinfuder, der aimer, viertail und mass soll allenthalben gleich sein. aber am bier, med und dergleichen solle die eych grosser sein.
Item koren, wais, erbess, linsen, kicher sollen ain gestrichen mass haben, aber raue frucht mit demselbigen mass werden.
Item alle faiste ware solle mit dem bire- oder metmas verkaufft werden.
Wes aber mit dem zenter oder pfundsweys verkauft wurt, solle mit dem vorgenanten ersten als dem grosten gewicht gegeben und gewert werden.


Zum  z w o l f t en das die geschelschaften, als der Focker, Hofstetter, Welser und dergleichen abgestelt werden; dann dardurch arm und reich ires gefallens in allen waren besetzt und beschwert werden.
Ob aber ain geselschaft zusamenlegt oder ainer allain handlen wollte, der soll kainer uber zehentausent guldein im handel haben und welcher daruber erfunden, das hauptgut und ubermas zum halbtail verloren haben ins Romischen reichs cameren.
Item welchr kaufherr nach den 10000 gulden ain uberschuss an gelt hette, mag anderen, wem er will, furstrecken, leyhen und evangelisch helfen.
Item wa auch ain kaufher uber sein leggelt und kaufhandel uberig gelt hette, der mag das ainem rathe hinterlegen und jars von hundert 4 gulden nemen. das mögen furter die herren des raths armen gesellen uf sicherung leyhen und von hundert funf gulden nemen. und mag sich ain armer geschickter dergestalt dabey neren.
Item as ain ordnung zwischen den grossen Hansen und den handelern gemacht wurt, damit die armen mit den gemainen pfeningwerten pleyben und ir narung bekomen mogten.
Item es soll kainer kain munz schmelzen bey dem brant, sonder silber- und goltmunz in die bestettigten munzschmitten schicken, und da soll sie ime bezahlt werden nach der satzung oder wie iede munz geschlagen worden, sie weren dan zu gering oder in ander weg gefelscht.
Item das die kremer in stetten, die mancherlai war und pfennigwert failhaben, getrent und idem ainerlai war zugelasen werde.
Beschlieslich, das alle buntnus der fursten, herren und stette abgethan und allain kayserlicher schirm und frid gehalten werde on all glaitt und beschwerd und alle verschreybung, derhalben ufgericht, bey verlierung aller freyhait, lehen und regalien.
Item das ain ieder im reich, auch frembde aus anderen konigreiche frey und sicher wanderen zu ross, wagen, wasser oder zu fues und nyemant zu kayserlichem glaitt oder anderen beschwerden getrungen werden, weder von leyb oder gut, damit der arm man und gemainer nutz iren furgank haben. amen.





... wir wollen hern sein.   Brief des Neckartal-Odenwald-Haufens an die Stadt Bischofsheim an der Tauber Mitte April 1525


Lieben gutten frundt! Wir haben auß ewr ubergeben instruction vermerckt, wie ire gegen ewrm hern gehandelt, auch wes er sich gegen euch erpotten hat. Wollen euch daruff nit bergen, das gemelter ewr her gegen uns auch gehandelt und sich erpotten hat, uns ein gnediger herr zu sein. Wir wollen aber in solicher gestalt inen fur keinen hern halten, sondern fur unsern ungenedigen hern haben. Und ist unser entlich furnemens und meynung, alle seine flecken, dhure, schloß und riegel offen zu haben, alle seine schetze zu sehen und wissen, und wir wollen hern sein. Darumb wolt ire zu unserm hawffen, wollen wir euch fruntlich annehmen, alle bruderliche trewe erzeygen, wo ire aber ewr gelegenheyt halb lieber gein Mergetheim zu dem selben hawffen ziehen wolt, soll zu ewrm willen steen, daselbst werdet ire wie bei uns auch bruderlich und fruntlichen uffgenommen und gehalten, dan es ist alles ein gleiche sach und hilff; wo ire aber bei ewrm hern pleiben wolt und vermeynt, das er euch behalten moge, soll auch zu ewrm willen stehen. Darumb wiste, wo ire nit komen, das aber wir komen werden, doch wollen wir euch noch zur zeit ungetroet haben, aber vil besser were euch, ire hefftet ewr pferdt an ein anderen baren, dan das andere ire pferdt an ewre hefften sollten.


Siehe dazu auch den

Bericht der von Bischoffsheim irer handelung der bawrschafft

Siehe hier







Neue Forschungsansätze, um die 12 Artikel der Bauernhaufen neu zu verstehen, zu interpretieren:


Ein wichtiger Neuansatz die Schriften und Intention der aufständischen Bauernhaufen neu zu lesen und verstehen findet sich im Buch:

Benjamin Heidenreich: Ein Ereignis ohne Namen? Zu den Vorstellungen des 'Bauernkriegs' von 1525 in den Schriften der 'Aufständischen' und in der zeitgenössischen Geschichtsschreibung. In: Quellen und Forschungen zur Agrargeschichte. Herausgegeben von Stefan Brakensiek, Erich Landsteiner, Heinrich Richard Schmidt und Clemens Zimmermann. Band 59. Berlin / Boston 2019.  



Auch interessant das Buch von David von Mayenburg: Gemeiner Mann und Gemeines Recht. Die zwölf Artikel und das Recht des ländlichen Raums im Zeitalter des Bauernkriegs. Frankfurt 2018 mit dem Ziel bisherige rechtshistorische Forschungstradition in Frage zu stellen und die Quellen mit den Instrumenten einer rechtshistorischen Analyse neu zu befragen.



Unter Mitarbeit desselben Autors:

Görge K. Hasselhoff, David von Mayenburg (Hrsg.): Die Zwölf Artikel von 1525 und das „Göttliche Recht“ der Bauern – rechtshistorische und theologische Dimensionen. Würzburg 2012